Value-Driven Project Management – die Zukunft nach Harold Kerzner

Im heute erschienenen Projekt Magazin diskutiert Dr. Georg Angermeier sein Interview mit dem PM-Papst Harold Kerzner zum Thema Value-Driven Project Management. Es handelt sich dabei nicht um einen radikal neuen Ansatz, sondern um management-tauglich weitergedachte Aspekte heuter PM-Standards. Natürlich gibt es auch einige Brüche. Grundlage ist die neue Definition von Kerzner: „Ein Projekt besteht aus Nutzwerten, die nach einem Terminplan realisiert werden„. Die Definition liegt irgendwo zwischen meinen Definitionen von Scope als „die Gesamtheit der durch ein Projekt zu liefernden Produkte und Dienstleistungen“ und Projekt als „einmaliges, zeitlich definiertes Vorhaben, um ein Ziel zu erreichen, das spezifische Anforderungen erfüllt„. Der wesentliche Punkt von Kerzner ist die radikale Abkehr von der Fachlichkeit hin zur Businesssicht in seiner Definition. Einige Trends in dieser Richtung sind bereits sichtbar, wie im Posting Von Earned Value Management zum Business Value Management zusammengefasst.

Mit seiner Sicht liegt Kerzner eher in der Nähe von PRINCE2, denn der PMBOK® Guide 4th edition steht immer noch auf dem Standpunkt, dass Earned Value Management (EVM) das Maß der Dinge ist. Kerzner verwendet statt der Key Performance Indicators (KPIs) aus der EVM sogegannte Critical Success Factors (CSF), die den Nutzwert der Projektergebnisse beschreiben.

Er nutzt den Begriff KPIs für die Metriken, mit denen der Wert der Prozesse gemessen wird, mit denen die Projektergebnisse erstellt werden. Die Steuerung von Projekten über solche Metriken nennt Kerzner Metric-Driven Project Management.

Ergänzt wird diese Sicht durch Value-Driver Leadership, welches Projekt- und Linienmanager gemeinsam für den Nutzwert eines Projekts verantwortlich macht.

Georg Angermeier fasst die Ideen von Kerzner zusammen als Synthese von „PMBOK Guide (Methodiken), PRINCE2 (Anbindung an Nutzwert durch den Business Case) und ICB (Kompetenzbeschreibungen) mit Integration der Balanced Scorecard (Vier Kategorien des Nutzwerts und Zusammenspiel von CSF und KPI)„.

Und was lernen wir daraus? Der Trend zu einer stärken Bewertung des Nutzens von Projekten ist ungebrochen und es ist abzusehen, dass die Anzahl der pet projects, die nur als Lieblingsprojekte einiger Manger durchgeführt werden, zukünftig abnehmen werden. Die große Herausforderung die „richtigen“ KPIs und CSFs zu finden bleibt, d.h. die Definition von Wert und dessen Messung wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. Ob die enge Zusammenarbeit zwischen Projekt- und Linienmanagement über den Businesswert von Projekten in der Form stattfinden wird bezweifle ich. Dafür ist das heute gelebte Linienmanagement einfach zu überholungsbedürftig wie mein Bloggerkollegen Stefan Hagen regelmäßig thematisiert.

Weiterführende Diskussionen mit Georg Angermeier können Sie im Forum des Projekt Magazins führen.

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: