Projektmanager – besser fest angestellt oder selbständig?

Wie jedes Jahr fällt gegen Jahresende den Kunden angesichts unklarer Budgetlage die Entscheidung hinsichtlich die Vertragsverlängerungen Externer schwer. Dieser vertraglichen Unsicherheit der Selbständigen stehen in Deutschland die mangelnden Gehaltserhöhungen der Festangestellten gegenüber. Die Entscheidung, ob man sich nun selbständig macht oder wieder festanstellen lässt, wird einem aufgrund der wirtschaftlichen Situation häufig vorgegeben. Auf der einen Seite haben viele Konzerne die Einkaufspreise für Selbständige soweit gesenkt, dass teilweise eine Festanstellung sinnvoller ist, auf der anderen Seite findet man sich nach einer Kündigung auf der Straße wieder und steht vor der Frage wie es weitergeht angesichts weniger offener Stellen.

Für Projektmanager zeigt die aktuelle Gehaltsstudie der GPM interessante Trends auf, die kombiniert mit den diversen Auswertungsmöglichkeiten der GULP-Freiberufler-Datenbank auch die Entscheidung für die weitere berufliche Karriere vereinfachen kann.

Zunächst die für mich interessantesten Erkenntnisse der GPM-Gehaltsstudie:

  • Es kommen in Deutschland immer noch mehr als 6 Projektmanager auf eine Projektmanagerin, in der Schweiz ist der Verhältnis mehr als 20:1.
  • Die meisten Projektmanager sind Akademiker (> 60%), wobei bzgl. Fachrichtungen Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und Mathematik/Informatik überwiegen. Immerhin haben inzwischen 7,5% der Teilnehmer den Titel Diplom-Projektmanager erworben.
  • Die Bedeutung der höheren GPM/IPMA-Zertifizierungen hat deutlich zugenommen gegenüber der Befragung 2004/2005. Die Quote für IPMA Level C hat sich verdreifacht, während Level D von 30% auf 20% gefallen ist.
  • Der Aufstieg als festangestellter Projektmanager ist langwierig.
  • Die erreichte Projektmanagement-Ebene ist immer noch stark abhängig von der Führungsebene, d.h. umgekehrt dass große und wichtige Projekte meist von Führungskräften aus der Linie geleitet werden.
  • Das Durchschnittsgehalt beträgt ca. € 67.500 zzgl. Sonderleistungen von ca. € 5.000.
  • Die meist mit 40 Wochenstunden vereinbarte Arbeitszeit wird selten eingehalten, real fallen 45-50 Stunden an.

Spannend ist insbesondere der regressionsanalytische Ansatz zur Ermittlung des Bruttogehalts:

35.479 + 2473*PM-Erfahrung in Jahren + 387*Wochenstunden – 3108*PM-Ebene

wobei folgende PM-Ebenen gelten:
1 = Projektdirektor
2 = Senior-Projektleiter
3 = Projektleiter
4 = Teilprojektleiter

Im Vergleich dazu liefert GULP einige Fakten für selbständige Projektmanager:

  • Durchschnittliche Auslastung ca. 70%
  • Zertifizierte Projektmanager (PMP, GPM/IPMA, PRINCE2) verdienen durchschnittlich € 80 / h, Selbständige allgemein durchschnittlich € 70 / h. Hierbei unterscheiden sich die Stundensätze nicht anhand der der PM-Methodik oder dem Vorhandensein einer Zertifizierung.
  • Das Durchschnittsalter ist 40-45 Jahre

Was bleibt nun netto in der Tasche? Dem alleinstehenden kinderlosen festangestellten Projektmanager mit Durchschnittsgehalt bleiben ca. € 38.500 in diesem Jahr, dem Selbständigen dagegen ca. € 58.000 unter der Annahme, dass er die Hälfte seiner Einnahmen für Steuern und auf die Selbständigkeit bezogene Ausgaben aufwendet.

Insofern steht der Sicherheit der Festanstellung auch 2009 tatsächlich deutlich mehr Geld und Risiko eines Selbständigen gegenüber. Was diese Rechnung vernachlässigt, ist das aktuell hohe Risiko ein neues Projekt zu finden. In Interviews habe ich heute herausgefunden, dass innerhalb von zwei Tagen nach Ausschreibung einer Position gut und gerne 200 Profile bei einem Vermittlungsunternehmen eintreffen. Diese können die Menge der Profile nicht mehr bearbeiten, so dass viele Bewerbungen einfach untergehen. Zum Jahreswechsel 2008/2009 kamen noch weniger als 10 Profile auf eine Ausschreibung.

D.h. im Moment ist eine denkbar ungünstige Zeit sich selbständig zu machen, wenn man Projekte nicht über sein Netzwerk aquirieren kann oder über besondere Fähigkeiten verfügt.

Und nun lade ich zum Sezieren des Beitrags ein🙂

2 Antworten zu Projektmanager – besser fest angestellt oder selbständig?

  1. […] vor dem Hintergrund der GPM-Gehaltsstudie 2009 und den damaligen GULP-Zahlen zu Schluss gekommen dass Selbständige/Freiberufler deutlich mehr verdienen. Da ich nicht über die Basisdaten des PMI verfüge, ist eine genaue Auswertung dieses Widerspruchs […]

  2. […] Heilwagen hat auf seinem Blog die interessante Frage aufgeworfen, ob es für Projektmanager besser ist, fest angestellt zu sein oder freiberuflich zu […]

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