PMI vs. PRINCE vs. IPMA-Zertifizierungen: Das wissenschaftlich fundierte Scoring

Mir fallen auf Anhieb drei Personen ein, die bei der Lektüre dieses Postings erst in Schreckstarre verfallen und dann mit einer Argumentationslawine loslegen, die ihres gleichen sucht…mal schauen ob ich mich noch zum PM Forum traue… Nach

zum Vergleich der Zertifizierungen von PMI und GPM hat mir glücklicherweise Dr. Paul D. Giammalvo, ausserordentlicher Professor an der Lille Graduate School of Management in Paris, ein wissenschaftliches Paper zum Vergleich vieler Projektmanagement-Zertifikate geliefert. Über den Artikel zur Frage ob sich professionelle Kompetenz aus den PRINCE2-Zertifikaten ableiten lässt im Blog How to manage a Camel, kommt man auf folgende Tabelle mit Erfüllungsgraden hinsichtlich ableitbarer Kompetenz aus Zertifikaten basierend auf 16 ausgewählten Kriterien:

Grad Zertifikat
8% PRINCE2 Foundation
8% PRINCE2 Practitioner
8% CAPM
13% IPMA Level D
23% PMP
40% IPMA Level C
50% PgMP
56% IPMA Level A

Schlussfolgerung: Auch wenn man wie immer die Auswahl der verwendeten Kriterien diskutieren mag, so hat Dr. Giammalvo doch einen Weg gefunden, die Frage nach der Qualität der Prüfungen bezüglich der ableitbaren professionellen Kompetenz zu beantworten, der vielleicht wichtigsten Frage im Rahmen des Vergleichs von Zertifizierungen. Da ich nicht den professionellen Anspruch von projektMANAGEMENT aktuell in einem Blog bedienen möchte, biete ich den Diskussionswütigen unter Ihnen einige Einblicke in die Quellen:

Hinweis: Durch Umbau des Camel-Blogs und fehlende Suchfunktion ist die Studie in der Versenkung verschwunden😦


Wenn der Informationsdurst noch nicht gestillt ist, gäbe es da noch das Blogposting von den Kamelmanagementspezialisten und das Originalpaper von Dr. Giammalvo.

Ich kenne da ein Kapitel in einem knapp 2.600 Seiten umfassenden Standardwerk, welches Anpassungsbedarf aufweist, aber das behauptete ich schon oft genug.

q.e.d.

9 Antworten zu PMI vs. PRINCE vs. IPMA-Zertifizierungen: Das wissenschaftlich fundierte Scoring

  1. Oliver Buhr sagt:

    Auf den ersten Blick kommt PRINCE2 ja sehr schlecht weg. Der Inhalt, der über die Foundation- und Practitionerzertifikate von PRINCE2 abgedeckt wird, beträgt lächerliche 8% dessen, was die professionelle Kompetenz eines Projektmanagers ausmacht!
    Dennoch wirft der versierte PRINCE2-Anwender sein Zertifikat immer noch nicht in den Mülleimer. Er weiss nämlich, dass PRINCE2 sich auf die Beschreibung einer komplementären Managementmethode fokussiert. Sie entfaltet ihren großen Nutzen nicht für den einzelnen Projektmanager sondern für Projektorganisationen und gibt ihnen einen einheitlichen Handlungsrahmen und stellt eine gemeinsame Sprache sicher. Diese bewusste Fokussierung zeigt sich auch an vielen Verweisen im Manual auf Techniken, die bei GPM und PMI detailliert beschrieben sind. Also sind wir PRINCE2-Experten weiterhin guter Dinge und setzen auf den komplementären Einsatz der PM-Methoden.

  2. […] auf einen sehr interessanten Artikel im Projektmanagement-Blog von Andreas Hellwagen gestoßen: Das wissenschaftlich fundierte Scoring. Inhalt ist der Verweis auf einen tiefgründigen Vergleich der Zertifzierungen von GPM, PMI und […]

  3. Olaf Hinz sagt:

    Vielen Dank für diese Übersicht, lieber Andreas Heilwagen. Ein Impuls für die, die gern eine Unterscheidung in den drei Zertifizierern wollen.

    Ich finde -und das behaupte ich ja auch schon oft🙂 -, dass die Energie, die in diese „Nabelschau“ der Community gesteckt wird, lieber in den Kontakt der Community mit der Umwelt gesteckt werden sollte. ERGO: Es gibt viel zu viele PM’s, die Milliarden verbrennen, weil sie gar keinen Kontakt mit Vorgehensmodellen haben und hatten. Also bitte lasst uns diese davon überzeugen, dass es eine grundlegende Bedingung erfolgreichen PM ist, mit Struktur, Prozess und Rolle zu arbeiten (egal nach welchem Standard). Dann, wenn diese Aufklärungsarbeit getan ist, müssen wir darüber arbeiten, wie PM „sicher durch den Sturm kommt“ und noch wirksamer werden kann..

    • Bei der Ansprache komme ich mir ja bald wie ein rosaroter Plüschteddy vor…anyway. Vertreter vieler Fachverbände sehen die Positionierung ihrer Zertifikate bitterernstm deshalb ist es mir immer wieder ein Anliegen, Fakten statt Vermutungen auf den Tisch zu legen. Aber von welcher Community sprechen Sie? Ich habe noch kein wirklich funktionierendes Diskussionsforum von Projektmanagern im Internet gesehen, Beiträge dort haben eher Seltenheitswert. Abgesehen davon gibt es voraussichtlich Anfang nächster Woche das Ergebnis einer interessanten Diskussion von Dr. Stefan Hagen und mir zum Thema Vorgehensmodelle, Prozesse, Methodiken und Methoden als Video Podcast.

      • Olaf Hinz sagt:

        ich seh gar keinen Plüschteddy und verstehe die Äüßerung auch wohl nicht…

        Meine „Ansprache“ ging an die „Community“, d.h. die Leute, die heute zertifiziert sind, die sich um das Thema PM im web2.0 oder auf herkömmlichen Wegen bemühen und denen, die sich in den Organisationen rund um PM organisieren (die Wichtigsten stehen hier ja rechts oben)….

      • Nach einem ganz und gar nicht „lieben“ Posting, war der Kontrast zum „lieben Herrn Heilwagen“ doch recht groß ,-)

        Letztlich würde ich aus Ihren beiden Kommentaren den Aspekt des Mangels an Praxisnähe der Fachverbände extrahieren sowie das Problem des fälschlichen Glaubens auch ohne Blick über den Tellerrand, Zertifizierung o.ä. durch besseres Organisationstalent unbedingt ein kompetenter Projektmanager zu sein. Richtig?

  4. Robert Bullinger sagt:

    „… Erfüllungsgraden hinsichtlich ableitbarer Kompetenz aus Zertifikaten …“

    Was für ein Satz. Ich gehöre trotzdem noch zu den Zweiflern, die praxisnahe Erfahrung vielen Zertifikaten vorziehen, auch wenn das viele Personen im HR anders sehen.

    • Ab gesehen davon dass verbale Kunstflüge auch Spaß machen, ist für mich auf Basis von CV mit Zertifikaten das persönliche Interview entscheidend. In letzter Zeit hatte ich gerade aus Afrika sehr viele CVs für einen Kunden geprüft, die zwar überall einen PMP® aufwiesen, aber keine offensichtlichen verantwortlichen Positionen im Bereich Projektmanagement.

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