7. RC Multihull Sail Meeting 2010 am Hegbachsee (Fotos)

Das jährliche Event des Initiators der Mini 40-Klasse in Deutschland ist mittlerweile ins siebte Jahr gegangen. Gerd Rasch hat mit seiner Trimarine II 2004 den ersten in Deutschland konstruierten ferngesteuerten Trimaran der aktuellen Generation aufs Wasser gebracht. Inzwischen ist die Mini 40-Klasse weit gediehen und seit März diesen Jahres auch die 2m-Klasse offiziell im Deutschen Seglerverband (DSV) vertreten (Bilder zum Vergrößern anklicken):

Von links nach rechts: cubitus 3 (Eric da Costa), Trioumphe’s (Gerd Rasch), equilibrium (Andreas Heilwagen)

Dieses Jahr überwog die Zahl der 2m-Boote während die Mini 40-Fraktion nur mit einem segelnden Boot und einem weiteren Boot im Bau vertreten war. Gesegelt wurde auf Anzahl Runden pro Zeit bei praktisch keinem Wind, ergänzt von einem Wolkenbruch am Sonntag:

   

Eric da Costa vom Club Viry Chatillon bei Paris ist schon seit 10 Jahren mit seiner 2m langen cubitus 3 unterwegs und hat uns entsprechend alt aussehen lassen:

Runde Eric da Costa Gerd Rasch Andreas Heilwagen Rolf Mügge
1 4 3 3 0
2 6 4 4 2
3 3 4 3 2
4 4 4 4 2
5 8 4 4 1

Die Regatta am Hegbachsee ist Teil der von Eric da Costa initiierten Serie Europa Freundschaft 2010:

  1. 8./9. Mai in Nauheim am Hegbachsee (Deutschland)
  2. 3./4. Juli in Ramsberg (Deutschland)
  3. 18./19. September in La Rocheray (Joux-Tal Schweiz)
  4. 30/31. Oktober in Viry Chatillon bei Paris (Frankreich)


Die Wertung vom Hegbachsee ist bereits in der Jahresübersicht in Frankreich zu finden. Frankreich ist deshalb so wichtig, da dort vor 15 Jahren die 2m-Klasse als erste für ferngesteuerte Mehrrumpfboote gegründert wurde, danach folgte die Mini 40-Klasse mit etwas über 1m langen Booten für die Freunde einfacher transportabler Boote. Entsprechend viele Regatten und Boote gibt es dort.
Die Regatta am Rangsdorfer See im August ist übrigens noch nicht Teil der Regattaserie da die Vorbereitungen relativ spät begonnen haben.

Mit meiner Plazierung bin ich relativ zufrieden, denn ich konnte mich ungefähr auf dem Niveau von Gerd Rasch halten, der immerhin schon seit 7 Jahren mit Multihulls unterwegs bin. Allerdings ist noch viel Luft nach oben. Im Rahmen der Testläufe im Rangsdorfer See in diesem Jahr konnte ich nach einigen Umbuaten endlich den Segeltrimm gut einstellen und sicherstellen, dass nun die ganzen Konstruktionsfehler und Baumängel der von Pierre Gonnet im Auftrag gebauten equilibrium behoben sind und das Boot selbst bei maximalem Wind ohne Schäden flott unterwegs ist:

      

Unter anderem habe ich die Masttopps umgebaut, einen neuen Mast gebaut und ein neues Segel bauen lassen:

      

Die ursprüngliche Konstruktion aus Frankreich (Foto C-Rigg links) sah einen kugelgelagerten 5mm V2A-Stahl-Bügel vor, an dem das Segel befestigt und eingestellt werden konnte. Dies funktioniert bei größeren Segeln nicht mehr, da der Stahl zu weich ist und die verwendeten Metallringe hinsichtlich der Gewinde nicht ausreichend belastbar sind. Das in der Mitte abgebildete B-Rigg hat deshalb ein komplett neu gebautes Masttopp aus Kohlefaser, welches erheblich leichter und stabiler ist. Aber auch Kohlerohre biegen sich gerne, so musste ein Jumpstag vorne ergänzt werden. Das neu gebaute A-Rigg rechts hat dagegen ein Großsegel, welches oben spitz zuläuft, d.h. nicht so extrem ausgestellt ist. Damit vereinfacht sich der Masttopp erheblich, das Gewicht sinkt entsprechend.

Trotzdem sollte man mit den auftretenden Kräften nicht spaßen. Links ein Bild bei einem „Stecker“, d.h. das Boot bekam zuviel Wind und ging mit den Rümpfen unter Wasser. Bei ähnlich maximaler Belastung rechts ein Bild, bei dem der Haken einer Wante aufgegangen ist, d.h. die Verbindung zwischen dem Rumpf links und dem Mast oben fehlte. Entsprechend biegt sich der Mast und ich möchte nicht wissen was passieren würde, wenn beide Wanten auf einer Seite fehlen würden:

   

Was kann man nun verbessern? Als einfache Änderung werde ich die Schoten gegen Climax-Leinen aus dem Drachenbau tauschen, die sich weniger mit Wasser vollsaugen und weniger Reibungswiderstand haben. Weiterhin werden diese dann nicht mehr durch Röhrchen an die Segel geführt, sondern durch Ösen wie bei der cubitus 3:

   

Weiterhin ist definitiv ein sehr großer A+-Segelsatz fällig für Schwachwind, Eric hat für seine Segel „papier floriste“ verwendet, die durchsichtige Folie in die man Blumensträuße einwickelt. Sie ist extrem leicht und dabei sehr stabil. Links ein Foto der A-Segel der equilibrium, rechts cubitus 3:

   

Trotz seines Bootsgewichts von 7,5 kg (Glasfaserrumpf) hat uns Eric da Costa ganz entspannt geschlagen. Aber auch er hat eine Wende verpatzt und deshalb einmal gegen Gerd Rasch verloren. Und so haben Gerd und ich auch das ein oder andere Mal eine Boje getroffen anstatt drumherum zu segeln und wie bekannt steht das Problem halt meistens hinter der Fernsteuerung. Mit mehr Regattaerfahrung und weiterer Optimierung der Boote und insbesondere Segel sollten wir in Kürze zu den Leistungen des französischen Champions aufschließen können.

Spannend war auch das einzige segelnde Mini 40-Boot. Rolf Mügge hat diesmal mit seiner Triangel 4 den aufwendigen und teuren Bau von Urmodellen, Formen und Rümpfen über Bord geworfen und einen tollen Prototypen hingelegt. Die Rümpfe bestehen aus Schaummaterial (Depron), überzogen mit dünnen Glasfasermatten. Als erklärter Fan des Baumaterials Holz hat er vieles damit realisiert, während ich eher zu den Kohlefreaks zähle. Sein Boot hat insbesondere ein Servo mit Hebelarm zur Steuerung der Segel während in der 2m-Klasse die RMG 380-Winschen ganz klar dominieren. Somit kann er seine Segel schneller einstellen, allerdings dafür auch keine so großen Kräfte halten.

   

Ich hoffe dass nächstes Jahr ein paar mehr MIni 40-Segel dabei sind damit sich nicht eine Entwicklung wie in Frankreich einstellt. Dort gibt es fast kaum noch Mini 40, in Deutschland dafür aber das Risiko der Aufsplitterung der Multihull-Szene in Fraktionen. Ich freue mich auf die nächsten Regatten und hoffe, dass die in Bau befindlichen 2m-Boote bis dahin fertig sind und tolle gemeinsame Events beider Klassen stattfinden.

3 Antworten zu 7. RC Multihull Sail Meeting 2010 am Hegbachsee (Fotos)

  1. […] aktuellen Regattabericht der ersten Multihull-Regatta diesen Jahres am Hegbachsee finden Sie im PJMB Blog, incl. einem 2. […]

  2. […] } Eben hatte ich bereits von der Hegbachsee-Regatta aus meiner Sicht berichtet, hier der fotografische Nachschlag von Eric da Costa’s Frau. Im […]

  3. […] This post was mentioned on Twitter by Andreas Heilwagen. Andreas Heilwagen said: 7. RC Multihull Sail Meeting 2010 am Hegbachsee (Fotos): http://wp.me/ph8DD-1rn […]

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