Kurze Wasserstandsmeldung: Scrum und CMMI passen nur übers Knie gebrochen zueinander

Es gibt ja schon einige Materialien, die behaupten zu beschreiben, wie Scrum und CMMI zusammenpassen. Genauergesagt fräse ich mich gerade durch das brandneue CMMI-DEV 1.3 und stelle fest, dass es die gleiche traditionelle Denke wie vorher ist. Die in der Einleitung groß angekündigten Hinweise zu agilem Vorgehen beschränken sich auf homöopathische Dosen. Am Ende des Tages passen iterative und Wasserfallprojekte hervorragend ins Bild von CMMI-DEV, agile Projekte nur mit einer größeren Transferleistung. Und ehrlichgesagt ist diese Transferleistung in vielen Fällen nicht angemessen, da das Resultat in keinem akzeptablen Zusammenhang mit dem Ergebnis führt.

Wofür sich CMMI-DEV sehr gut in solchen Kontexten eignet ist als Landkarte, über die man sicherstellt, dass man keine wichtigen Themen übersehen hat. Alle anderen Versprechungen sind aus meiner Sicht heiße Luft und zumindest ich habe noch kein auf Scrum passendes Reifegradmodell gefunden. Vielleicht wäre es Zeit eines zu entwickeln, da Scrum ohne über Scrum hinaus erfahrene Unterstützung bei der Einführung den Kinderschuhen noch nicht entwachsen ist.

8 Antworten zu Kurze Wasserstandsmeldung: Scrum und CMMI passen nur übers Knie gebrochen zueinander

  1. Fritz Koschnick sagt:

    Ich kann mich wirklich nur den ausgezeichneten Ausführungen von Michael Hönnig anschließen.
    Ein Satz in Ihrem Artikel sagt doch alles: „Wofür sich CMMI-DEV sehr gut in solchen Kontexten eignet ist als Landkarte, über die man sicherstellt, dass man keine wichtigen Themen übersehen hat.“
    Es gibt übrigens ein hervorragendes Buch: „Integrating CMMI and Agile Development“ von Paul E. McMahon.

    • Aus meiner Sicht liefert CMMI-DEV nicht was es verspricht, und dass ist eine ernsthafte Berücksichtung agiler Entwicklungsmodelle. Deshalb vertrete ich den Standpunkt, dass man hier entweder deutlich nachbessern muss in der nächsten Version oder ein eigenes Reifegradmodell für Scrum bzw. agile Organisationsn auflegt.

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Sigrid Hauer, Andreas Heilwagen. Andreas Heilwagen said: Kurze Wasserstandsmeldung: Scrum und CMMI passen nur übers Knie gebrochen zueinander: http://wp.me/ph8DD-27k […]

  3. Hallo Herr Heilwagen,

    welche konkreten Probleme sehen Sie? Könnten Sie vielleicht die drei CMMI Forderungen nennen die im größten Widerspruch zu Agilität stehen?

    Meiner bisherigen Erfahrung nach war nicht CMMI das Problem, sondern eine arg klassische Interpretation von CMMI.

    Alles Gute wünscht
    … Michael Hönnig

    • Wenn Sie sich die Process Areas für Projektmanagement ansehen werden Sie wahrscheinlich wie ich zur Überzeugung gelangen, dass hier der Schwerpunkt auf einer intensiven Vorab-Planung des Projektes liegt, die der Welt des Wasserfallmodells erheblich näher ist als agilen Prinzipien. Genau wie den PMBOK® Guide kann man auch CMMI mit Agilität „übereinanderlegen“, nur ist die Passform schlecht. Gerade auch der Bereich „People“, der dem CMMI wichtig ist, wird aus meiner Sicht nur unzureichend berücksichtigt, denn ein agiles Mindset passt auch nicht wirklich zum dem rein prozessorientierten Gedankengut des CMMI-Frameworks zu tun.
      CMMI-DEV hat seine Berechtigung und ist ein wichtiges Framework, nur ist es aus meiner Sicht als Reifegradmodell für agile Settings zu unvollständig.

      • Die Prozess-Area Projektmanagement ist ja nun im CMMI recht groß. Sie sprechen Planung an, also nehme ich mal an, Sie meinen konkret das Specific Goal PP (Project Planning). Doch wo dort soll von einer intensiven Vorab-Planung des (gesamten) Projektes die Rede sein?

        SG1 Establish Estimates: Auch ein Scrum Backlog ist laufend geschätzt, nur eben nicht weit über das nächste Release hinaus – was auch nicht von CMMI gefordert wird.

        SG2 Develop a Project Plan: Product-Backlog und Release-Plan sind auch Pläne. Dazu kommt dann für jeden Sprint die Sprintplanung. Wo sagt CMMI, dass der gesamte Plan bis ins letzte Detail vorab erstellt werden müsste? Scrum verbietet auch nicht Risiken zu identifizieren, auch wenn Scrum selbst schon zu Risikominderung führt.

        SG3 Obtain Commitment to the Plan: Das ist wohl Scrum pur, oder?

        Zwar machen in agilen Projekten nicht alle Specific Practices wie im CMMI aufgeführt Sinn, aber wenn sich nachweisen lässt (was der Fall ist), dass die Ziele auch anders (eben durch das agile Vorgehen) erreicht werden können, dann gelten sie damit auch nach CMMI als erreicht.

        Ein anderes Thema ist es allerdings, ob CMMI nun das ideale Reifegradmodell für Agilität ist. Das sicherlich nicht. Aber der Fokus von CMMI ist ja auch nicht, die Agilität zu bewerten, sondern (einfach ausgedrückt), ob alle Einflussfaktoren berücksichtigt sind.

        Aber vielleicht haben Sie ja doch konkrete (!) Forderungen des CMMI, die der Agilität widersprechen.

        Alles Gute wünscht
        … Michael Hönnig

      • Derzeit verwende ich CMMI in einem agilen Umfeld und setze meine konkreten Forderungen auch direkt um, dies ist allerdings Teil meines Beratungsgeschäfts. In nächster Zeit werde ich in Sachen Blog eher an Scrum denn an CMMI arbeiten da ich meine Themen wählen muss.

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