Wie hat mich Social Media weitergebracht?

Ich finde es immer wieder spannend Internet-interessierten Leuten zu begegnen, die kaum auf Social Media setzen, denn ich kann mir ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Ein guter Teil meiner jetzigen beruflichen Positionierung habe ich dem Einsatz von Social Media zu verdanken und anlässlich der vor wenigen Tagen gestarteten Blogparade digitales managen von Jan A. Poczynek hier ein aktuelles Resümee.

  1. XING (und LinkedIn)
    Ich habe es nie geschafft die wichtigsten Visitenkarten irgendwie sinnvoll zu nutzen oder eine klassische Kartei meiner Kontakte zu pflegen. Kurioserweise war der Wechsel auf den Mac mit seiner Adressbuch-Applikation der Auslöser wirklich alle Kontakte aufzunehmen, auf Windows hat es irgendwie nie gefunkt. Die Erweiterung in den Social Media-Bereich hat insofern den Durchbruch gebracht, als dass mein Addressbuch grundsätzlich alle XING-Kontakte enthält und diese immer aktuell gepflegt sind. Weiterhin stellt XING eine Anreicherung der Adressbuchdaten dar, über die ich mein Netzwerk strukturiert pflege (wenn ich die Zeit habe). Die Vernetzungsinformationen auf XING sind für mich die wichtigsten Daten dort, ohne sie wären viele Dinge eben nicht passiert. Die Detailinformationen sind wie immer ein guter Wegbereiter für die Erhöhung des Erfolgs bei Erstkontakten. LinkedIn ist nicht wirklich relevant, da ich derzeit keinen Abgleich mit dem Adressbuch nutze und eine doppelte Führung des Netzwerks zu aufwändig ist, lediglich die Nicht-XING-Kontakte sind dort im Netzwerk.

  2. Foren
    Derzeit sind die XING-Foren noch die relevanteste Quelle für Projektangebote, zukünftig werden sie durch Anfragen aus dem Netzwerk an Bedeutung verlieren. Inhaltlich bringen sie mich erheblich weiter, da dort noch die interessantesten Diskussionen zwischen Projektmanagern stattfinden. Ohne die Foren würde die Aquise deutlich mehr Aufwand bedeuten, da klassische Projektvermittlerseiten wie die von GULP, projektwerk etc. alle nur mit einem Tag Verspätung Projektangebote verschicken. Meist sind die Angebote bereits veraltet, XING dagegen versendet umgehend und hat damit den Projektmarkt aus meiner Sicht erheblich beschleunigt. Mir ist ehrlichgesagt völlig unverständlich, warum die großen Vermittler ihr Defizit noch nicht erkannt haben, immerhin ist nur die erste Stunde nach dem Posten eines Projektsangebot wirklich spannend.

  3. Blogs
    Vereinzelt habe ich früher Fachzeitschriften gelesen, begeistert war ich allerdings nie. Erst die (Projekt)management-Blogs haben mir die topaktuellen Informationen, Diskussionen mit den gelegentlichen Fehleinschätzungen geliefert, die mir heute einen deutlichen Wissensvorsprung ermöglichen. Fachbücher habe ich seitdem kaum mehr gekauft. Aus meiner Sicht kann die Lektüre von Blogs auch einen guten Teil der klassischen Weiterbildung ersetzen, vorausgesetzt man identifiziert sich mit dem Format.

  4. Eigenes Blog
    Mein Blog kennen Sie jetzt ein wenig. Ursprünglich ist es entstanden um den eigenen Bekanntheitsgrund zu erhöhen und die Kompetenz zu dokumentieren, inzwischen sehe ich es nicht mehr so eng. Am Ende geht es um die Aquise von Aufträgen und inzwischen ist das Blog so etabliert, dass es mir meist einen Vorsprung vor der „Konkurrenz“ bei der Besetzung von Projekten ermöglicht. Konkrete Projektanfragen von neuen Endkunden kommen allerdings immer noch eher über XING als direkt im Kontext des Blogs. Ich vermute, allerdings, dass sich das Blatt bis Ende des Jahres wendet.

  5. Twitter
    Ach ja, die Müllschleuder. Eigentlich könnte ich meinen Twitterclient deinstallieren, da die Suche nach Lesenswertem unverhältnismäßig aufwendig ist…da bleibe ich lieber bei RSS-Feeds. Umgekehrt ist das Feedback zu meinen Tweets sehr gut da ich fast keine persönlichen Dinge tweete. Angesichts der stetig steigenden Zahl von Followern hat sich Twitter als Linkschleuder für eigene Blogpostings und Postingempfehlungen für andere Blogs absolut bewährt. Die Anzahl der Follower hält sich in Grenzen, dafür stimmt die Qualität da ich niemand followe, der einfach die eigene Followerzahl in die Höhe treiben will und keinen Mehrwert liefert.

  6. YouTube
    Eigentlich dachte ich es würde sich lohnen, aber konkret werden die meisten Videopodcasts auf meinem Blog auch im Blog angesehen, insofern ist es für die Publikation eher ein Service als eine wichtige Ergänzung. Eigene Suchen auf YouTube spare ich mir meist aufgrund des Müllfaktors, stattdessen sehe ich mir häufig von Blogs empfohlene Beiträge an und fahre damit sehr gut. Alles in Allem könnte man YouTube auch dichtmachen ohne dass ich es bereuen würde, die für mich interessanten Beiträge würden dann in anderen Blogs gehostet werden, nur das Teilen von Content ist mit YouTube eben einfacher.

  7. Podcasts
    Finde ich gut, habe aber kaum Zeit sie anzuhören. Meist trete ich in der Rolle als Reviewer auf und lerne dann eine ganze Menge. Nachteilig ist, dass sie für mich Zeitfresser sind da für ich das Tempo zu langsam ist. Text kann man im bevorzugten Tempo lesen und hat eine bessere Übersicht. Ich freue mich über die vielen Zuhörer und Zuschauer meines eigenen Podcasts, bin aber selbst kurioserweise nicht Teil der Zielgruppe 🙂

  8. Weiteres
    Services wie Social Bookmarking oder Facebook nutze ich nicht, da niemand in meinen privaten Daten herumzuschnüffeln hat bzw. die Nutzung zu aufwendig im Verhältnis zu den Vorteilen ist. Ich kenne viele Social Media-Enthusiasten, die bei vielen redundanten Diensten, Portalen etc. unterwegs sind, aber die Menge der darüber neu generierten Kontakte und Erfahrungen steht für mich in keinem Verhältnis zum Informations-Overkill.

So suche ich mir von einer Auswahl der wichtigsten Social Media-Kanälen jeweils den Marktführer heraus und bitte dort Gelegenheit in Kontakt zu kommen, sehe aber den Schwerpunkt auf wiederkehrenden Kontakten und der Verbindung über Google. Ja, beruflich ist aus der „kleinen Welt“ des persönlichen ein globales Netz geworden und der Horizont deutlich erweitert worden. Und wenn man aktuelle Beiträge liest, definiert sich der Wert eines Mitarbeiters auch zum großen Teil über sein Netzwerk, auch wenn das für viele Personalabteilungen noch nicht auf dem Radar sichtbar geworden ist. Social Media ist für mich nicht mehr wegzudenken hinsichtlich der Kontaktaufnahme, Pflege von Kontakten und Weiterbildung. Interessanterweise gilt dies sowohl für mich im Kontext meines Einzelunternehmens, als auch im Kontext von Kundenprojekten.

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