Vermittlung von Projektorganisationen statt Bodyleasing – Nachfolger der modernen „Sklavenhändler“?

Wieder einmal hat Bas de Baar, Top-Blogger aus Holland, ein Posting abgeliefert, dass es in sich hat. Seine Bloggeraktivitäten als Project Shrink werden aus seiner Sicht durch zwei Kernargumente getrieben:

„I want to stay as close to the edge as I can without going over. Out on the edge you see all kinds of things you can’t see from the center.” -Kurt Vonnegut“

“If we are studying projects, we cannot do this without looking at the individual stakeholders and team members. We cannot do this without the organization where the project is conducted. We have a tendency to look at individual elements, and we know somewhere there are some connections, but mostly we treat every scale individually. But all things are interconnected.”

Nehmen wir nun die vier Trends, die ihn interessieren. Teilweise sieht man sie bereits, teilweise werden sie Projekte und ihre Umgebung erst in der Zukunft beeinflussen:

  1. Unabhängige mobile Mitarbeiter
    Ob man sie nun Cloudworker, Digitale Nomaden oder ortsunabhängige Spezialisten nennt, die Anzahl der Freiberufler und Selbständigen ist gewaltig und stellt einen mehr als ausreichenden Pool für jede Art von Projekt dar.

  2. Organisationen als Projektmoderatoren und -vermittler
    Hollywood lebt bereits ein interessantes Geschäftsmodell in dem Sinne vor, als dass die Kernorganisation festangestellter Mitarbeiter des Filmprojekts minimal ist. Ebenso könnte man aus Sicht von Bas ein Pharmaunternehmen mit einer Minimalanzahl fester Mitarbeiter betreiben und so gut wie alles outsourcen.

  3. Digitaler Marktplatz
    Es gibt bereits diverse Marktplätze für Projekte, von der reinen Suche nach Ressourcen bis zum integrierten Projektlebenszyklus.

  4. Infrastruktur
    Als Enabler für die vorherigen drei Trends kann man den Fortschritt im Technologiebereich identifizieren. Nur auf dieser Basis können verteilte Projekte erfolgreich umgesetzt werden.

Nun die Frage: Wohin kann die Reise gehen?

Je mehr ich darüber nachdenke, ich habe die Weisheit ja auch nicht mit Löffeln gegessen, desto öfter fallen mir die Punkte aus meinem Posting zur Taxonomie von Vermittlungsunternehmen für Freiberufler und Selbständige ein. Die heutige Art Projekt zu vermitteln beinhaltet keine wirkliche Wertschöpfung. Im Gegenteil, die Qualität der Leistung sinkt erheblich durch Outsourcing. Bas hat mir nun einen Weg aufgezeigt, der einen Blick in die Zukunft ermöglichen könnte.

Neben meiner Idee, die Beschaffung guter Freiberufler und Selbständiger in großen Unternehmen wieder selbst durchzuführen und damit erheblich Kosten zu sparen sowie die Qualität zu erhöhen, könnte man selbstverständlich ganze Teams von Beratungsunternehmen einkaufen. Letzteres ist allerdings auch sehr teuer und die verfügbaren Skills sind durch die festen Mitarbeiter definiert.

Dazwischen könnte man nun ein Unternehmen ansiedeln, welches sich darauf spezialisiert Projektteams unabhängiger Spezalisten einschließlich Projektmanager zu stellen. Dafür sind erheblich mehr Skills erforderlich als für die reine Personalvermittlung, somit würde das Outsourcing der Ressourcenbeschaffung endlich einen Sinn ergeben. Aber wie stellt man sicher, dass die Teams wirklich funktionieren und nicht nur auf dem Papier gut aussehen:

Dieser absolute Klassiker aus dem Blog Implementing Scrum zeigt aus meiner Sicht eines der Erfolgskriterien für Vermittlungstätigkeiten, die einen Wert bringen. Heutzutage posaunen alle Vermittlungsunternehmen herum, dass in ihrer Marge ja auch die intensive Betreuung der Freiberufler und Selbständigen enthalten wäre. In der Praxis hört man aber nach der Unterschrift meist nie wieder einen Mucks und wenn alles gut läuft, kommt das Geld immer pünktlich. Auf der Seite der Auftraggeber ist es ähnlich: Erst wird man mit einer Unmenge von Profilen bombardiert, die meist nicht wirklich passen, danach leidet man weiterhin an den dürftigen Skills der Vermittler.

Durch Erhöhung des Committments neben dem Involvement würde die Qualität und damit der Wert gesteigert werden. D.h. wenn ein freier Projektmanager eben den Auftrag bekommt ein Projekt umzusetzen und dazu auch noch das Team zu liefern, würde dieser allein schon aus Eigeninteresse hervorragende Leute an Bord holen.

Irgendwo dazwischen sehe ich ein wertvolles Geschäftsmodell auf mutige Unternehmer warten. Professionelle hochwertige Dienstleistung durch Zusammenstellung von Teams von Freiberuflern und Selbständigen sowie Umsetzung jeweils mindestens eines Kundenprojekts in dieser Konstellation. Das wäre doch ein Riesenfortschritt gegenüber der Massenvermittlung von Einzelpersonen, bei der nur noch der Stundensatz zählt.

Bas, was denkst Du?

Foto (c) 2010 iStockphoto.

5 Antworten zu Vermittlung von Projektorganisationen statt Bodyleasing – Nachfolger der modernen „Sklavenhändler“?

  1. […] die wir festgehalten haben. Wer mehr über die Hintergründe wissen will sei auf mein Posting Vermittlung von Projektorganisationen statt Bodyleasing – Nachfolger der modernen „Sklavenhändl… […]

  2. Bas sagt:

    Hi Andreas,

    First of all thanks for the kind words.

    Yes, it makes good sense to hire/“sell“ entire specialized teams. And the PM would have all the reason in the world to get the best people he can get.

    But I am not quite clear on how the contract structure would go.

    Clients can hire a freelance PM that hires freelancers for his team.
    Will the entire teams be from one company? If so, what would be the difference with hiring a vendor?
    I am not quite sure how you see this.

    I think the main problem will be payments and responsibility. With just one-2-one transactions it’s easy: customer pays if he likes, if customer makes mistake, his own fault. But with a 3rd party (person) is in the middle, if a developer screws up, who pays?

    If that is solved, the model is golden.

    Cheers
    Bas

    • Hi Bas,

      I think that hiring indepedent contractors to create specialized teams per contract ensures that suitable skills are on board. If you rely on people from only one company (which may not be IBM-sized), you might not always have the right people at hand as they are usually busy in projects.

      The contract structure will definitely need a general contractor who negotiates the contract with the customer as the customer cannot be burdened with the whole negotiation effort. Thus the general contractor needs a track record of success to provide a solid basis for trust.

      Risk needs to be distributed through the group. But that is nothing new as the bodyleasing companies dump all risk on the mobile workforce.

      I am note sure if the project manager should hire in all cases or if there will be facilitating company which satisfies the requirement of larger companies to work only with a selected small number of suppliers. Of course the project manager needs to have an entrepreneur mindset and he needs to be able to hire the right people…nothing which is not mentioned in the PMBOK® Guide for example.

      So, what will be your next posting now the model might look a bit more golden?

      Cheers,
      Andreas

  3. Moin Andreas – aus leidvoller Erfahrung kann ich dir nur zustimmen (und zwar von beiden Seiten des Tisches).

    Ich bin schon länger der Meinung, dass sich qualifizierte Teams am Markt verkaufen lassen. Gerade bei Spezial-Themen (z. B. „Stammdaten“) oder -Situationen („Projekte in Not“) halte ich das für vorteilhaft.

    Ich sehe die größten Hürden in der Kompetenz der etablierten Vermittler – das ist auf beiden Seiten frustrierend.

    Liebe Grüße,

    Thomas

  4. […] This post was mentioned on Twitter by andrea hammer, woomera and Michael Hönnig, Andreas Heilwagen. Andreas Heilwagen said: Vermittlung von Projektorganisationen statt Bodyleasing – Nachfolger der modernen "Sklavenhändler"?: http://wp.me/ph8DD-1BU […]

%d Bloggern gefällt das: