Der Beweis für Motivation 3.0: Sinnhaftigkeit schlägt Egoismus

Vor einiger Zeit hatte ich ein Posting des Leading Answers-Blogs zu Motivation 3.0 übersetzt und kommentiert. Dort wurde eine Historie der Motivationstheorien gebildet:

  • Motivation 1.0 = Maslow’sche Bedürfnispyramide
  • Motivation 2.0 = gängige Belohnungssysteme
  • Motivation 3.0 = über Selbständigkeit, Können und Sinn

Förster & Kreuz haben in ihrem aktuellen Backstage Report mir jetzt einen Beleg für die Überlegenheit von Motivation 3.0 gegenüber Motivation 2.0 serviert.

Konkret wurden in einem Experiment einer amerikanischen Schule Call-Center-Mitarbeiter an das Einsammeln von Spenden für Stipendien gesetzt. Es gab drei Gruppen:

  1. Die Was-bringt-es-MIR-Gruppe
    lernte von ihren Vorgängern, welche persönlichen Vorteile (z.B. Verdienst) der Job bringt, also die Analogie zu Motivation 2.0 und den derzeit noch mehr schlecht als recht eingesetzten Zielvereinbarungssystemen mit Boni.

  2. Die WOFÜR-ist-es-gut-Gruppe
    wurde darüber informiert, wie die Spendengelder Studenten zugute kamen und was aus ihnen geworden ist.

  3. Die Kontrollgruppe
    erhielt keine Informationen.

Das spannende Ergebnis:

Die Egoisten vom Dienst (Bonus) haben nicht mehr Geld als die Kontrollgruppe gesammelt, die durch Sinn motivierte Gruppe dagegen 143% mehr Geld für Stipendien als die Kontrollgruppe. Spannend ist, dass hier der persönliche Nutzen keinen Einfluss auf die Ergebnisse hatte, der Nutzen für andere allerdings erheblich zur Motivation beigetragen hat.

Die Herausforderung bei der Beerdigung der Zielvereinbarungssysteme ist das Umdenken, besonders für Personalabteilungen und Manager. In Zielvereinbarungen ist teilweise der Sinn der Arbeit enkodiert, aber nicht in besonders motivierender Weise. Die verwendeten Metriken führen meistens zu einer Optimierung der Arbeit auf die Ziele hin unter Verlust vieler wertvoller Aspekte. Welche erfolgreichen Nachfolger der Zielvereinbarungssysteme haben Sie bereits gesichtet?

14 Antworten zu Der Beweis für Motivation 3.0: Sinnhaftigkeit schlägt Egoismus

  1. laderio sagt:

    Hmm, ich stelle mir grade die Frage, ob die Schlussfolgerung korrekt ist.
    Könnten die zusätzlichen Informationen auch einfach bei der Bewerbung der Stipendien geholfen haben, anstatt die Call-Center-Mitarbeiter zu motivieren?

    Ich denke mir, mit Fachwissen kann man besser arbeiten als ohne. Muss ja nicht gleich die Motivation der ausschlaggebende Punkt gewesen sein.

    • In der Studie ging es weniger um Fachwissen als um das Wissen darum, was die eigene Tätigkeit dem Kommunikationspartner an Vorteilen bringt. Da ich in der jüngeren Vergangenheit auch keine Belege dafür gefunden habe, dass die neuen Motivationsansätze auf Fehlannahmen beruhen, macht mir auch das grundsätzlich verbleibende Restrisiko bezüglich einer Fehlinterpretation der Studienergebnisse keine Sorgen.

      • laderio sagt:

        Mit Fachwissen meinte ich in diesem Fall das „Hintergrundwissen“.
        Wenn ich etwas bewerbe und mich mit dem „Produkt“ nicht auskenne kann ich nicht erfolgreich sein.
        Kenne ich das „Produkt“ aber, so habe ich schon bessere Chancen.

        Daher muss aus meiner Sicht nicht einmal Motivation für die Ergebnis-Verbesserung verantwortlich sein.

        Klar ist aber auch, dass wenn ich mich mit dem „Produkt“ identifiziere, meine „Werbung“ authentischer ist.

        Von daher empfinde ich diese Studie nicht unbedingt als gelungenen Beweis…

    • Leider finde ich den Beitrag nicht mehr…bereits die Presseerklärung der Uni scheint die Studie fehlerhaft zu interpretieren und die ganze Medienwelt hat den Inhalt ungeprüft übernommen. Insofern bitte Vorsicht bei den Artikeln über diese Studie, für eine tiefere Recherche fehlt mir im Moment leider die Zeit.

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Andreas Splett and Tobias Schlosser, Andreas Heilwagen. Andreas Heilwagen said: Der Beweis für Motivation 3.0: Sinnhaftigkeit schlägt Egoismus: http://wp.me/ph8DD-1xs #pmot #pmde […]

  3. Olaf Hinz sagt:

    Motivation entsteht eben durch Sinn und Zusammenhang! Seit Viktor Frankl wissen wir, dass Sinnvolles tun eine wirksame Primärmotivation ist. Deswegen ist Deine Frage am Ende des blogs, die zielführende: Es kommt also darauf an, endlich aufzuhören mit der Demotivation vergütungsbasierter Anreizsysteme denn sonst erwischt die Organisation der „Plateaueffekt“(http://bit.ly/4zKcD).
    Für Projektorganisationen bedeutet das, zunächst die Struktur, d.h. die organisationale Kompetenz zu stärken und nicht auf der individuellen Ebene mit Prämien etc..“herumzufummeln“. Dazu halte ich auf dem PM Forum mit dem Kollegen Fleck übrigens einen Vortrag
    http://bit.ly/bZgYMl

  4. Das ist Wasser auf meine Mühlen😉

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