Business iPad #1: Hardware – die Abrechnung

An sich wollte ich mir kein iPad kaufen da derzeit keine Eignung für Geschäftsleute gegeben ist. Als eingefleischter Early Adopter jedoch hat mich letztlich das scheinbare Angebot der Apps und der Glaube an die zukünftigen Applikationen überzeugt. In dieser Serie von Postings werde ich Ihnen über meine Erfahrungen berichten, nicht an Sarkasmus sparen und natürlich das Thema iPad und Projektmanagement aufs Korn nehmen. Heute ein Rundumschlag zum Thema Hardware unter spezieller Berücksichtigung des nagelneuen iPads:

  1. Größe
    Super, danach will man keine Mails mehr auf dem iPhone bearbeiten

  2. Gewicht
    Naja, schwer aber mit heutiger Akkutechnologie unvermeidbar

  3. Touchscreen
    Apple-üblich perfekt bedienbar und best-in-class, das spiegelnde Display ist allerdings Kindergarten. Will ich nun den Film sehen oder mein Spiegelbild? Da lob ich mir mein mattes Macbook Pro-Display.

  4. „Tastatur“
    Auf der eingeblenden Bildschirmtastatur lässt sich hervorragend tippen, auch wenn man wg. der Umlaut- und Sonderzeichenauswahl zwangsläufig erheblich langsamer tippt.

  5. Performance
    Keine Klagen, alles läuft äußerst flüssig

  6. Akku
    Selbst bei Videowiedergabe hervorragend

  7. Verarbeitungsqualität
    Auf den ersten Blick hervorragend

  8. Hardware-Qualität
    Apple-üblich beschissen, das Gerät wurde gleich mit toten Pixeln geliefert, Apple will unter zwei defekten Pixel übrigens kein iPad freiwillig tauschen. Komischerweise würden aber immer gleich alle springen, wenn ein Auto mit Schaden an der Windschutzscheibe neu verkauft würde. Verkehrt Welt!

Weiter geht’s mit meiner Hardware-Strategie und den Lehren aus der Praxis der letzten Jahre der Selbständigkeit. Zum iPad folgen in den nächsten Postings die Erfahrungen und Go’s/No go’s hinsichtlich Applikationen.

Aus den folgenden Aspekten meiner Hardwarestrategie:

  • keine nicht sinnstiftenden Gadgets und elektronischen Geräte,
  • Verkauf von allem was ich nicht mehr benötige,
  • Ersatz von vielen Geräten durch wenige bei gleicher Funktionalität,
  • möglichst wenig Zeitaufwand im Betrieb

folgen für mich einige wichtige Anforderungen:

  1. hohe Qualität um den Wiederverkaufswert nicht zu ruinieren,

  2. hohe Stabilität um den Zeitaufwand für die Administration zu minimieren und
  3. guter Service um Probleme schnell in den Griff zu bekommen

Wie macht sich das iPad und Apple hier im Vergleich? – eine kleine Abrechnung mit der unsäglichen Hardware- und Servicequalität, die einem heute im Small Business Bereich aufgezwungen wird:

  • Apple
    Liefert immer noch die aus meiner Sicht benutzbarsten Geräte und bietet IT-adäquaten Service, Einzelfeedback wird wie bei allen größeren Firmen jedoch konsequent ignoriert. Die Preise sind wegen der Marge zu hoch, für die Hardwarequalität sogar astronomisch, Beispiele:

    • Macbook Pro 17″: Multiple Ausfälle nach 2,5 Jahren (Batterie aufgequollen, Display fehlerhaft, optisches Laufwerk Totalverlust, Farben von den ersten Tastenkappen verschwunden)
    • iMac: Festplattentot nach 2 Jahren
    • iPhone 2G/3GS: 2 Austauschvorgänge wg. Fehlern, der Dritte steht an
    • Airport Extreme Basestation: 2 WLAN-Stationen am Ende verkauft da UDP Portforwarding als Netzwerk-Basisfunktionalität einfach vergessen und nie umgesetzt wurde
    • Mac Mini: läuft super, aber wie lange noch…
  • NetGear
    Der Kauf des ReadyNAS Pro-Filers war ein Fehler, das Engineering hat ein Jahr auf der Maschine aus den USA per telnet herumgehackt bis sie endlich die grundlegenden Fehler und selbstverschuldeten Servicedesaster eliminiert hatten. Downtime dadurch ca. zwei Wochen summiert, die meisten Firmware-Updates haben das System abgeschossen, inzwischen herrscht endlich Ruhe. Geliefert wurde mit 6 Festplatten, die jederzeit ausfallen konnten. Dies war NetGear egal, dem Plattenhersteller Seagate ebenfalls, der Händler (C.T.N. Systeme) hat super performed und die Platten getauscht. Allerdings sind die Seagate Serverplatten übelst, durchschnittlich stirbt derzeit alle halbe Jahr eine von 6 Stück.

  • Drobo
    Die Filer sind grobe Abzocke: langsam (gerne um 0,5 MB/sec), crashen, der Service kann nicht einmal grundlegende Fragen beantworten und verweist auf die Marketing-FAQ, das Kundenforum haben sie durch ein eigenes Forum, welches an einen Polizeistaat erinnert in dem niemand schreibt, ersetzt.

  • Synology
    Der dritte Filerversuch, ebenfalls eine Pleite. Nach zwei Wochen hatte ich das Engineering soweit, dass sie zugaben dass ihr AFP-Server nicht funktioniert und sie leider erst in zwei Quartalen einen Fix anbieten können. Langsam glaube ich, dass all diese Linux-basierten Filer eher Spielzeug und nicht stabil sind.

  • AVM
    Der größte Kindergarten von allen. Der 7170-Router war noch halbwegs stabil, der 7390 crashed sobald man Traffic ins WDS bringt oder mehr als ein paar Connections gleichzeitig ins Internet aufmacht, zwischendurch verliert er auch Konfigurationsteile. Den FRITZ!Repeater habe ich letztlich verkaufen müssen, da er nicht einmal eine erste Verbindung zum Router aufbauen kann und weder AVM eine Ahnung hat, was sie verbockt haben, noch der Händler ihn zurücknehmen wollte. Das AVM-Engineering hat wg. der 7390 wenigstens ein Einsehen und arbeitet an Bugfixes, Lob!

  • Drucker, Scanner, etc.
    Die Liste lässt sich endlos fortsetzen, teildefekte Neugeräte, fehlerhafte und nicht gewartete Treiber, Support spammt einen mit Fertig-Textblöcken zu und ohne unfein zu werden bewegt sich nichts. Canon scheint sicht gerade als positives Beispiel herauszukristallisieren, Epson und HP gehören zu den ganz üblen Kandidaten. Schönes Erlebnis: wnen man HP nach dem Apple-Treiber über einen bewährten Laserjet fragt, bekommt man mehrfach falsche Treiber-CDs geschickt und wird am Ende ausgelacht, wenn man kein Neugerät kauft. Angesichts der Anzahl beteiligter Personen war das kein Einzelfall… Ob die letzte Kündigungswelle mit 9.000 Mitarbeiter da Besserung bringt? Ach nein, es werden ja wieder viele Tausend Leute im Vertrieb eingestellt…mehr hilft mehr ,-)

Im Allgemeinen liefern die Hersteller unreife Geräte und schaffen es nicht ihre eigenen Fehler zu analysieren, nichts was nicht schon in den gängigen PC-Zeitschriften regelmäßig diskutiert würde. Der Unterschied für einen Selbständigen ist, dass er keine Zeit für diesen Kindergarten hat und in seiner Zeit Geld verdienen und nicht Alpha- und Betaware analysieren will. Also sollte man sich vernünftige Händler suchen. Dementsprechend hier meine persöhnliche Liste der High- und Lowlights:

  • C.T.N.-Systeme, Sulingen
    Superkompetent bei kleinen bis mittlereren Filern, problemloser Austausch defekter Hardware. Herr Wecke hat mich vor den Defiziten von NetGear und Synology gerettet, danke!

  • Amazon
    Rücknahmen und Gewährleistungstausch läuft perfekt und die Händler hat Amazon sehr gut im Griff. Selbst wenn ein Händler über Amazon versucht Mist zu bauen, hat er kaum eine Chance, sehr gut!

  • Cancom, Europas größter Apple-Distributor
    Einsame Spitze, die sind in der Lage Bestellungen anzunehmen, selbst wenn die neuen Geräte erst ein paar Stunden auf dem Markt sind. Lieferungen sind schnell, unkompliziert und gerne auch mit persönlichen Extras. Zur gleichen Zeit fängt Gravis gerade erst an die Konditionen mit Apple auszuhandeln und herauszufinden, was die Blogs alle seit Wochen bereits ausposaunen.

  • Gravis
    Support ist der Beste, den ich kenne, das Verkaufspersonal ist top, allerdings keinesfalls telefonisch oder online bestellen. Bei der Rückgabe des Drobo haben die es viele Wochen nach Zusage der Rücknahme nicht geschafft, den Rückholschein zu schicken trotz ständiger Beteuerungen. Als ich das Gerät schließlich wutentbrannt im Laden abgegeben habe, haben sie bei der Auszahlung wieder gepatzt und mich trotz regelmäßiger Anrufe wochenlang auf das Geld warten lassen. Positiv: Die Gravis-HW-Versicherung ist umfangreich und deutlich preisgünstiger als Apple Care.

  • Versatel Service-Center Prenzlauer Berg, Berlin
    Bloss die Finger weg lassen. Dort gibt es AVM-Produkte zwar sehr früh, aber Ware, die klar nicht den versprochenen Leistungsumfang erbringt, wird nicht zurückgenommen. Letztlich jetzt zwei Geräte geholt, die ich nicht einsetzen kann und anderweitig verwerten muss. Etwas gewartet und über Amazon gekauft wäre sehr viel sinnvoller gewesen…ist aber häufig im Einzelhandel so, also: Finger weg!

  • Diverse andere…
    sind glücklicherweise schon vom Markt verschwunden, auch wenn sie jeweils gute Bewertungen hatten, haben sie sich bei genauerem Hinsehen als wenig kompetent und kundenfreundlich herausgestellt.

Lessons learned? Immer online kaufen wegen der zwei Wochen Rückgaberecht und sich einige wenige Lieferanten suchen, die performen. Und im nächsten Teil widme ich denn der businessspezifischen iPad-Software. Es werden zwar immer die gleichen Apps hochgelobt, aber der wirkliche Wert in der Praxis hat damit nicht viel zu tun.

P.S.: Mit PCs und ihren Vorläufern, verschiedenen DOS-Varianten bis hin zu Windows 7 habe ich mich lange genug herumgeschlagen und die ganze Brut verbannt da ich als Rentner sicher nicht stolz darauf sein werde, mir den Arm an schlecht konzipierter Software wundgeklickt oder regelmäßig abstruse Hard- und Softwareprobleme gelöst oder umgangen zu haben. Linux ist toll, aber eben nur für Techies und den Nerd in mir habe ich vor einigen Jahren auf ein Nebengleis verfrachtet. Der schaut dann heimlich beim iPad-Kauf über die Schulter…

P.P.S.: Das Foto stammt von Rego.

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