Asshole driven development – eine zynische Betrachtung neuer Managementsysteme

Von Zeit zu Zeit findet man eine Perle in den Archiven einiger Blogs, so den Artikel Ass driven development von Scott Berkun, einem ehemaligen Programmmanager bei Microsoft (Internet Exploder 1.0-5.0, Windows, MSN). Heute lebt er von seinen Büchern und Vorträgen. Auf dem Weg dahin hat er sich der Frage gewidmet, warum sich so viele neue Methodiken und Akronyme hinsichtlich neuer Managementsysteme in der Softwareentwicklung auftürmen.

Auf der einen Seite sieht er die mangelnde Reife der noch jungen Softwareindustrie, auf der anderen Seite den Wunsch alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Und so liefert er voller Überzeugung eine zynische Liste realistischer Managementmodelle:

  1. Asshole Driven Development (ADD)
    Jedes Teanm, in dem der größte Dummkopf alle großen Entscheidungen fällt, betreibt asshole driven development. Alles Wissen, alle Logik und Prozesse sind für den A****, wenn Mr. Asshole im Raum ist und was auch immer für idiotische und selbstsüchtige Dinge macht, die er für richtig hält. Egal ob es Regeln und Prozesse gibt, Mr. Asshole bricht sie und die Leute folgen ihm trotzdem.
    Auch schon erlebt? Glücklicherweise ist mir sowas bisher erst sehr selten begegnet.

  2. Cognitive Dissonance Development (CDD)
    In jeder Organisation, in der es mindestens zwei unterschiedliche Überzeugungen dazu gibt wie man Software entwickelt, werden diese in Meetings und Einzelentscheidungen ausgefochten, so dass sich das Projekt hauptsächlich darüber definiert.

  3. Cover Your Ass Engineering (CYAE)
    Alle arbeiten darauf hin, dass andere schuld sind, wenn der Mist hochgeht. Das erinnert mich an diverse große deutsche mittelständische Unternehmen und Konzerne. CYAE könnte eine spezifisch deutsche Entwicklung sein.

  4. Development By Denial (DBD)
    Jeder gibt vor, dass es eine Methode gibt nach der gearbeitet wird, dass alles ok ist trotzdem alles in Wirklichkeit Chaos ist und der Prozess unter den Teppich gekehrt wird. Das Schlimmste ist, dass sich diese Realitätsverweigerung verstärkt, je mehr diese Leute isoliert sind. Sowas habe ich besonders bei junioren Kollegen erlebt, die sich mit dem Gedanken nicht anfreunden konnten Junioren zu sein.

  5. Get Me Promoted Methodology (GMPM)
    Dies passiert wenn Leute coden und designen um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, die Launen ihres Managers zu befriedigen und ihren Aufstieg zu beschleunigen, egal wie wenig es mit den Zielen zu tun hat. Dazu gehört auch Desaster zuzulassen, um sich danach als Held hinstellen zu können und Hacks zu schreiben die kurzfristig gut aussehen, aber kurz nach dem Weggang des Entwicklers zu Problemen führen. Ist so nicht Windows entstanden?

Und dazu gibt es natürlich noch jede Menge weitere Methoden in den über 200 Kommentaren dazu im Blog von Scott ,-)

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