Projekterfolg – welche Teams gehören zu den Gewinnern?

Während der letzten Tage habe ich mich mit Eberhard vom projekt(B)LOG über seine jährliche Umfrage zu Erfolgsfaktoren in Projekten unterhalten. Dabei ist mir ein Diagramm aus dem Auswertungsartikel im OBJEKTspektrum 02/2010 besonders ins Auge gesprungen:

Jetzt kommt es darauf an, ob man gerade das halbvolle oder -leere Glas vor sich sieht…

  • Halbvoll
    Projekte sind besonders dann erfolgreich, wenn man gut aufgestellte Teams von 4 bis 8 Personen einsetzt.

  • Halbleer
    Bei weniger als 4 Personen ist es völlig egal ob die die Teamqualität nun gut oder schlecht ist.

Ehrlichgesagt finde ich das halbleere Glas hier bedenklich. Wieso ist der Projekterfolg nicht höher bei gut aufgestellten kleinen Teams?

Eberhard?

Für alle anderen: hier gibt’s die diesjährige Umfrage.

5 Antworten zu Projekterfolg – welche Teams gehören zu den Gewinnern?

  1. Zuerst einmal Danke für den Beitrag. Der Vergleich mit dem Glas ist noch treffender als es auf den ersten Blick scheint, der Füllstand des Glases scheint größer oder kleiner zu sein je nach dem ob man von oben oder unten schaut 😉 … nun aber zu den Zahlen.

    Die grafische Darstellung verleitet ggf. zu einem Fehlschluss. Die hohe Erfolgsquote der guten Teams bei Projektgrößen 4 bis 8 täuscht darüber hinweg, dass die schlechten Teams leider sehr viel häufiger sind. Dementsprechend ist die gemittelte Erfolgsquote aller Projekte dieser Größe deutlich niedriger. Sie liegt nur bei 27%. Zu diesen 27% Prozent tragen die Projekte mit guten Teams allerdings den Löwenanteil bei.

    Die Erfolgsquote aller kleinen Projekte liegt deutlich höher bei knapp 40%. Die Aufschlüsselung nach Teamqualität ergab hier jedoch keinerlei Korrelation zwischen Teamqualität und Projekterfolg, damit ergeben sich die 3 nahezu gleich hohen Säulen im obigen Diagramm.

    Die Aussage lautet also eher:

    Wenn möglich nutze sehr kleine Teams, die haben per se die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit (2 oder 3 Personen können immer irgendwie zusammenarbeiten). Wenn das Projekt eine Gruppengröße von 4 bis 8 Personen erfordert, ist die (gruppendynamische) Qualität des Teams ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

    Wir haben bei den Auswertungen versucht andere Korrelationen zwischen Projekterfolg und Methodeneinsatz zu aufzuspüren und haben nichts Signifikantes gefunden. Die jetzt laufende Untersuchung soll unter anderem diese Lücken schließen. Eine der Hypothesen lautet: Die Erfolgsfaktoren von Projekten unterscheiden sich je nach Gruppengröße erheblich und sind wie folgt:

    1. unter 4 Personen: Anforderungsmanagement
    2. 4 bis 8 Personen: Gruppendynamische Effekte, Teamqualität
    3. mehr als 8 Personen: Scope- Stakeholdermanagement / Kommunikation

    Punkt 2 scheint gesichert, die Punkte 1 und 3 werden zur Zeit geprüft.

    Noch zwei Lesetipps: Der oben verlinkte Artikel im Objektsprektrum liefert auch Informationen über das Thema Gruppendynamik und Teams. Wer sich für das Untersuchungsdesign inkl. anderer Ergebnisse und Auswertungen interessiert sei auf den vollständigeren „Uni Report“ verwiesen:

    http://www.pentaeder.de/projekte/2008/12/17/echte-teams-liefern-erfolgreiche-projekte-ab/

    Download des PDF (917 KB) am Ende der Seite.

    • Ok, ich verstehe Deinen Punkt. Allerdings bin ich meist in der Welt der Großprojekte unterwegs und dort sind Teams von 2-3 Personen eher selten. Deshalb wäre es natürlich spannend mehr darüber herauszufinden, wie gut man sein muss, um mit großen Teams erfolgreich Projekte zu stemmen. Diese Metriken aufzustellen wird so gut wie unmöglich und nicht einfach über verschiedene Organisationen verallgemeinerbar sein. Ich bin gespannt was Deine diesjährige Untersuchung an Ergebnissen bringt.

      • Die großen Projekte sind in der Tat spannender. Es ist noch zu früh zu spekulieren – aber mir scheint ein möglicher Gesamtansatz zu sein in Großprojekten stärker auf Teilprojekte und separierte Teams zu setzen. Diese Teilprojekte werden über ein gutes Scope-Mangagement und eine gute transparente Kommunikation mit Visisonen versorgt. Aus der Vision muss dann ein Teilprojektleiter mit seinem Team etwas machen.

        Den Versuch mit Steuerungen in alle Teilprojekte und Projektgruppen von oben durchzugreifen halte ich persönlich für fragwürdig. Möglicherweise ist der Ansatz auch kontraproduktiv. Das ist bis jetzt aber nur Spekulation. Auch an der Stelle erhoffe ich mit Informationen.

        Interessanterweise ist das Zerfallen von Großen Gruppen in Teilgruppen ein menschliches Bedürfnis. Jeder Mensch kann nur eine begrenzte Anzahl von Kommunikations- und Beziehungsfäden parallel aufrechterhalten. Ich denke es ist kein Zufall, dass Mannschaftssportarten weltweit üblicherweise Gruppengrößen zwischen 6 und 11 Personen haben.

      • In meinen bisherigen Projekten habe ich letztlich auch derartige Aufteilungen getroffen und den einzelnen Teilprojekten größtmöglichen Spielraum verschafft um dem Projekterfolg eine höhere Warhscheinlichkeit zu geben. Spannend ist eben dies zu vermessen.

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Andreas Heilwagen. Andreas Heilwagen said: Projekterfolg – welche Teams gehören zu den Gewinnern?: http://wp.me/ph8DD-1pE #pmot #pmde […]

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