PM-Zertifizierung ohne organisatorischen Wandel sind meist wertlos

…so verstehe ich die Kernthese von Klaus D. Tumuscheit in seinem aktuellen Artikel Überschätzte Wirkung – Warum eine PM-Zertifizierung nur die halbe Miete ist (Projekt Magazin 08/2010). Ähnliche Themen ergaben sich gestern in einem Erstgespräch für die Einführung von Projektmanagement, bei dem der Kunde wunderbarerweise diese Einsicht bereits hatte. Viele andere zertifizieren hunderte Projektleiter und wundern sich dann, warum die Projekte immer noch nicht besser laufen.

Klaus Tumuscheit hat hier drei Kernthesen um „Bremsen zu lösen“:

  1. Ressourcenkonflikte lösen
    Projekte können nicht einfach zum Tagesgeschäft bei gleicher Mitarbeiterzahl hinzugefügt werden, es sind zusätzliche Ressourcen erforderlich.
  2. Mauernde Abteilungsfürsten gewinnen
  3. PM-Standards schaffen
    Nur mit einer gemeinsamen Sprache und gemeinsamem Handeln wird man Potentiale freisetzen können.

Weiterhin legt er den Finger hinsichtlich Führungskompetenz in die Wunde. Warum wird eigentlich in keiner PM-Schulung dieses Thema ernsthaft aufgegriffen, denn schließlich sind alle Projektmanager Manager? Spannend auch seine Beobachtung, dass nach Zertifizierungen aus den Projekten meist mehr Probleme gemeldet werden da sie nun auch erkannt werden.

Der wichtigste Punkte aus meiner Sicht: Zertifizierungen sind kein Placebo für notwendige organisatorische Veränderungen. Erst die Klärung was ein Projekt ist, wie man es durchführt, wo die Ressourcen herkommen und wie aus der Vielzahl von Vorhaben konkret zu realisierende Projekte ausgewählt werden, ermöglicht Projektmanagement erfolgreich durchzuführen. Die Zertifizierung alleine begleitet aus meiner Sicht nur und demonstriert, dass man best practices etc. kennt. Im Zweifelsfall ist sie auch nur das Karrieresprungbrett von den Mitarbeiter, der unzufrieden über die fehlenden organisatorischen Randbedingungen für Projektmanagement in der Organisation ist.

Eine Antwort zu PM-Zertifizierung ohne organisatorischen Wandel sind meist wertlos

  1. Kurt Jelinek sagt:

    Guter Artikel!
    Zertifizierung hilft die Methoden zu kennen, nicht jedoch den vorgegebenen Alltag zu bewältigen. Zwei Dinge. Zertifizierung erlangen und unorganisiert weiter machen wie bisher oder nach Zertifizierungsmethoden ohne Augenmaß vorgehen. Ein IT Projekt lebt. Tag für Tag Neuigkeiten. Diesen kann man streng formalistisch laut Firmenprojekthaus begegnen – man wird nie fertig – oder mit einer gewissen Saloppheit ohne die Dokumentationspflichten, Zeitpläne aus den Augen zu verlieren – Best Practise. Dabei stell sich jedoch einen oftmals das von Firmen gewählte Projekthaus in den Weg. Denn nicht jedes Projektmodell eignet sich für jede Aufgabe gleichermaßen. (Verspüre ich am eigenen Leib in meiner täglichen Praxis) Aber da liegt ein Problem: Eine Firma hat viel investiert in die hausinternen Methoden. Hochbezahlte Mitarbeiter brüten über Templates, Vorgaben, Prozesse ohne je die IT-Praxis gesehen bzw. gelebt zu haben und wissen gar nicht welches Unheil Sie mit einer Projektmanagement-Methode inkl. Dokumentation anrichten die nur für den Hausbau Sinn macht aber im IT Bereich kaum anwendbar ist. Wenn Sie nun als Projekt-Manager zu den ungeeigneten Projektmodellen Stellung beziehen dann gibt es schnell die Attribute wie: Besserwisser, unorganisierter Schlamper usw.
    Deshalb ist es einfacher als PM mit den schlechten Modellen zu leben und zu arbeiten als den Versuch zu unternehmen ein Unternehmen mit dem geeigneten Modell zu beglücken.

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