14 Design-Regeln für Präsentationen

Seit einer Weile lese ich bereits das hervorragende presentationzen-Blog von Garr Reynolds aus Japan. Eine Grundlage seiner Empfehlungen bilden Zen-Einflüsse und so stehen sie in krassem Widerspruch zu der heute in Unternehmen meist gepflegten Unsitte völlig überladene Präsentationen an die Wand zu beamen und abzulesen. Der Gedanke, die gleiche Präsentation für einen Vortrag und den Versand per E-Mail für Nicht-Hörer des Vortrages zu nutzen, ist fehlgeleitet denn jede Information einer Präsentation lenkt vom Vortragenden ab. Sein aktueles Buch presentationzen DESIGN fasst viele grundlegende Empfehlungen zum Thema Design in leicht lesbarer Form mit sehr guten Beispielen und hervorragenden Fotos für Einsteiger und Intermediates zusammen. Gleich zu Anfang bietet Garr Reynolds 14 Design-Regeln an:

  1. Beschränkungen annehmen
    Wahre Freiheit liegt nicht in der Maximinierung der Möglichkeiten, sondern findet sich ironischerweise dort im Leben, wo man wenig Wahl hat. Diese Grundeinstellung zieht sich durch das ganze Buch. Man soll die Beschränkungen eben nicht negativ sehen, sondern durch sie die Kreativität beflügeln lassen.

  2. Zurückhaltung praktizieren
    Jeder kann einer Präsentation etwas hinzufügen, aber es ist sehr schwer zu entscheiden, welche Dinge man weglassen kann, insbesondere wenn es sich um die eigenen „Babies“ handelt. Mir persönlich fällt der Start relativ einfach…für einen Vortrag verschwinden erst einmal alle Firmenlogos, Seitennummern und „klassischen“ Powerpoint-Elemente. Eine leere Seite ist ein guter Anfang, zumindest in der eigenen Firma sollte jeder wissen wo man ist.

  3. Wissen wann man aufhört
    Über die Zurückhaltung hinaus sollte man keinesfalls Elemente „für den Fall dass…“ hinzufügen. Wer Backup-Folien braucht, hat die Nachricht vorher nicht erfolgreich vermittelt.

  4. In den Geist des Anfängers versetzen
    Experten sehen wenige Möglichkeiten, Designer dagegen nehmen bewusst Risiken in Kauf, besonders während der Analyse einer Aufgabe. Es ist wichtig, Probleme aus anderen Perspektiven zu betrachten.

  5. Das Ego auf seinen Platz verweisen
    Man sollte sich in die Rolle des Zuhörers einer Präsentation versetzen. Die Grundidee ist Probleme im Interesse von anderen zu lösen.

  6. Fokus auf die Designerfahrung
    Es ist wichtig, wie die Zuhörer mit dem Design interagieren, insbesondere die emotionale Komponente sollte nicht außer Acht gelassen werden.

  7. Geschichten erzählen
    Am Besten nimmt man die Zuhörer auf eine Reise mit und beginnt mit einer Übersicht, widmet sich dann dem Detail um am Ende wieder das Oberthema aufzugreifen die Übersicht wiederherzustellen. Nichts ist schlimmer, als wenn der Vortragende eigentlich selbst nicht weiß was er genau erreichen will…wie soll es so denn der Zuhörer wissen?

  8. Kommunikation statt Dekoration
    Ästethik ist zwar wichtig im Design, allerdings ist es viel wichtiger das auszudrücken, was notwendig ist. Jegliche unnötigen Elemente sollten aus einer Folie entfernt werden um die Nachricht so klar wie möglich zu machen.

  9. Ideen statt Werkzeuge
    Werkzeuge kommen und gehen, Ideen bleiben. Gerade deshalb macht es Sinn, gute Präsentationen mit Papier und Stift, auf einer Serviette, einem Flipchart oder Whiteboard vorzubereiten. Die besten Bilder entstehen im Kopf, nicht auf dem Bildschirm.

  10. Intention klarstellen
    Design ist nicht zufällig, es geht um Auswahl und Intentionen. Es geht um Prozesse, die oft systematisch sind. Am Ende sollte der Zuhörer einfach nur denken: „Es funktioniert“. Diese Einfachheit basiert auf bewusster Auswahl und Entscheidungen, insbesondere darüber was in die Präsentation hineinkommt und was nicht.

  11. Von der Umgebung lernen
    Gute Designer bemerken und beobachten. Es bringt einen weit, wenn man kreativ, praxisnah, rational, analytisch, einfühlsam und leidenschaftlich ist.

  12. Vereinfachen soweit möglich, aber nicht mehr
    …so zumindest Einstein. Dabei geht es darum dass Offensichtliche wegzulassen und das Bedeutsame hinzuzufügen.

  13. Leeren Platz verwenden
    Freier Platz hat eine wichtige Bedeutung für Designer, Anfänger tendieren dazu jeden freien Platz sofort nutzen zu wollen. Aber gerade leerer Platz zeichnet gutes Design aus, insbesondere da er das Auge des Betrachters lenkt.

  14. Regeln lernen und wissen, wann man sie bricht
    Über die Jahrhunderte haben sich viele Regeln, Empfehlungen und Gesetze etabliert. Aber im Design macht es manchmal Sinn sie zu brechen, wenn man weiß warum man dies macht. Grundlegende Designregeln sind wichtig und ein paar dieser Regeln werde ich in den nächsten Postings aufgreifen.

Das Bild stammt von daedrius auf Flickr.

7 Antworten zu 14 Design-Regeln für Präsentationen

  1. […] } Im abschließenden Posting rund um das Präsentationsbuch von Garr Reynolds hier “the-best-of” aus der zweiten Buchhälfte: Regeln erfolgreicher Präsentationen, […]

  2. […] halbwegs zu erfassen ist nicht möglich. Deshalb hier einige wichtige Regeln aus dem neuen Buch von Garr Reynolds, übersetzt für dieses […]

  3. […] ich mich gerade als Fan des presentationzen-Blogs von Garr Reynolds und seinem neuen Buch geoutet habe hier einige Schriftarten, die er für […]

  4. Druckfehler behoben – bitte meine Anmerkung überlesen!🙂

  5. Moin!

    Sehr schöne Stichpunkte – das gefällt mir! Besonders Nr. 14! (Achtung Druckfehler: „sich“ -> „sie“) Man stelle sich vor, dass jeder, der eine Präsentation macht, sich zu 100% an die allgemeingültigen Designregeln hält. Ist es da denkbar, dass er/sie den Zuhörer noch (positiv!) überrascht? No way! Langeweile würde uns begleiten und tut es vielleicht auch gerade aus diesem Grund. Ein interessantes Beispiel sind hier Designvorlagen. Große Firmen, die so etwas erstellen, tun sicher Gutes aber es besteht doch die Gefahr, dass die Mitarbeiter sehr schnell abstumpfen, besonders, wenn nur die immer gleichen vordefinierten Folien verwendet werden.

    Da heißt es abwägen! Also: Deckblatt, Inhaltsfolien und letzte Seite identisch, das ist ok, daran kann man sich festhalten aber bitte zwischendurch eigene kreative Momente einbauen! Jeder ist auch Individuum und nicht nur „Sprachrohr eines Corporate Identity“!

    Gruß, Martin

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