Projektmanagement 2010-2015: Der Blick in die Glaskugel mit der GPM

Heute Abend hat mich der Titel Projektmanagement 2010-2015: Wie bewältigen wir den Sturm? Trends, Tools, Methoden, Management der drei Jubiläumsveranstaltungen der GPM in die Region Stuttgart gelockt. Herr Dr. Wolfram von Schneyder und Jörg Leute haben eine hervorragende Präsentation gehalten, die morgen in Göppingen und am 25.01. in Tübingen wiederholt wird.

Zunächst beleuchtete Herr von Schneyder die Entwicklungen der letzten fünf Jahre und folgerte „die Entwicklungsgeschwindigkeit wird massiv zunehmen“. Am Beispiel des Energiesektors und dem Projekt Desertec sowie der neuen Geschäftsmodelle im Mobilitätssektor belegte er dies überzeugend. Er wechselte in den Bereich Arbeitsmarkt und zeigte einige für die Zukunft der Projektmanager wichtige Aspekte auf:

  • Das Sparen an den eigenen Arbeitskräften wird einem Mangel nach fachlich qualifizierten Arbeitskräften weichen
  • Bereits 2008 mussten teilweise die Einstiegsgehälter für Ingenieure um mehr als 20% angehoben werden um Kandidaten zu gewinnen
  • Derzeit glauben ca. 37% der Unternehmen, dass sie Mitarbeiter anderer Unternehmen abwerben müssen um den eigenen Bedarf zu decken
  • Employability, d.h. die eigene Attraktivität als Arbeitnehmer, wird die Wahl des „richtigen Arbeitsgebers“ in Zukunft ablösen
  • Lebensphasenmodelle werden in den Vordergrund rücken, beispielsweise unter Berücksichtigung von Elternzeit, einem zweiten Studium etc.
  • Die Work-Life-Balance wird wichtiger einschließlich Modellen, die auf Wunsch z.B. auch mehr als 40 Wochenstunden zulassen

So wird es zu einem Wettbewerb um Leistungsträger kommen und diese von der Ressource zum Potential werden. Persönlich erlebe ich diese Trends bereits in der Praxis.

Jörg Leute beschrieb im mittleren Teil einige Punkte, die in den nächsten fünf Jahren wichtig werden:

  • Wertorientierung wird das bisherige monolithische Denken in Projekten ablösen
  • Agile Methoden werden zunehmend eingesetzt werden, auch wenn es noch einige heftige Fehlschläge geben wird
  • Welche Features ein Projekt umsetzt, wird zunehmend stärker selektiert denn bereits heute werden 70% der Features einer Software von den Nutzern nicht verwendet
  • Nicht-wertschöpfende Prozessschritte werden eliminiert
  • Er bracht das schöne Zitat A project is a collection of value scheduled for realization von Kevin J. Anderson
  • Es bedarf einer geeigneten PM-Methodik für komplexe Projekte mit hohem Unsicherheitsgrad

Er ging danach auf Menschen in Projekten ein und wies darauf hin, dass entsprechend der Komplexitätstheorie Projekte sensibel auf ihre Ausgangssituation reagieren und empfiehlt aus dem Blickwinkel der Komplexitätstheorie:

  • Selbstorganisation zulassen und unterstützen
  • Einfache Regeln aufstellen und einhalten
  • Vorgabe von Zielkorridoren statt einem einzigen Ziel

Nach einem kurzen Ausflug in die Tool-Welt schloss Herr von Schneyder mit seinen Empfehlungen für die Organisation der näheren Zukunft:

  • PM muss ganzheitlich betrachtet werden
  • Die Grenzen von Organisationen sollten geöffnet und verstärkt Partnerschaften eingegangen werden
  • Projektorganisationen müssen auf Wertschöpfung und Wettbewerbsvorteile ausgerichtet werden

Sein Fazit war: Steigen Sie in neue Dinge ein, vertrauen Sie nicht auf das Alte und finden Sie heraus, was NICHT funktioniert.

Der Weg nach Stuttgart hat sich gelohnt. Der Vortrag war spannend und energiegeladen, auch wenn er für mich keine umwälzenden Neuerungen bot. Immerhin ist das Thema aber auch in den letzten Monaten aufgrund vieler Jubiläen im PM-Bereich schon einige Mal bearbeitet worden. Sollten Sie sich morgen oder am 25. in der Nähe befinden lohnt sich ein Besuch, insbesondere auch für das hervorragende Networking.

Die Slides und ein Tool zur Visualisierung aus dem Bereich der Komplexitätstheorie sollen in Kürze bei mir eintreffen.

4 Antworten zu Projektmanagement 2010-2015: Der Blick in die Glaskugel mit der GPM

  1. […] Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf der GPM Webseite oder im Blog von Andreas Heilwagen der eine schöne Zusammenfassung des Abends mit Dipl.-Kfm. Jörg Leute und Dr. Wolfram von Schneyder geschrieben hat. var […]

  2. […] von Schneyder hat mir freundlicherweise gerade den Foliensatz zur GPM-Jubiläumsveranstaltung Projektmanagement 2010-2015 – Wie bewältigen wir den Sturm (erstes Blogposting mit Zusammenfassung) zukommen […]

  3. […] Heute habe ich ein Novum für Sie…Sie dürfen spielen! Jörg Leute hatte auf der GPM-Veranstaltung am Dienstag eine anschauliche Software aus der Komplexitätstheorie […]

  4. Uwe Kleist sagt:

    Hallo Herr Heilwagen,
    vielen Dank für die gute und interessante Summary. Ich hatte auch schon überlegt, daran teilzunehmen, aber die Zeit…
    Beste Grüße
    Uwe Kleist

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