DIN 69901 – Praxiseinsatz der deutschen PM-Norm

In der Vergangenheit habe ich bereits häufiger über die Anfang des Jahres erschienene deutsche PM-Norm DIN 69901:2009 geschrieben. Auf der Suche nach der Norm im Praxiseinsatz bin ich auf einen Beitrag von Ralf Roeschlein, Berater und Mitentwickler der Norm, und Johannes Lang, Geschäftsführer der Realtech AG, gestoßen. Beide haben im Rahmen des PM Forums 2009 einen Vortrag über die Einführung von prozessorientiertem Projektmanagement bei der Realtech AG gehalten. 1994 als SAP-Beratungsunternehmen gestartet, hat sich die Realtech AG zu einem Anbieter für komplette Projektlösungen gewandelt und von 2004 bis 2006 eine strategische Umorientierungsphase durchlaufen um das Unternehmen „fit für Projekte“ zu machen. Eines der Teilprojekte während dieser Phase diente der Einführung von PM-Prozessen auf Basis der damals noch in Entwicklung befindlichen DIN 69901.

Was zeichnete nun die Einführung der Norm im Unternehmen aus?


Zum einen unterscheidet sich Realtech von anderen Unternehmen dadurch, dass der Projektprozess bereits mit der Identifikation potenzieller Kunden startet. Als Basis der neuen Methodik dienten die bereits vorhandenen einzelnen Prozessbestandteile, die über einen neuen flexiblen Prozess zusammengeführt wurden. Die Geschäftsleitung entschied sich für DIN 69901 als Basis, um ein zukunftssicheres und allgemein anerkanntes Prozessmodell einzuführen.

In Workshops wurden die für Realtech relevanten Prozesse aus der Norm gewählt und auf das Unternehmen angepasst. Interessant war, dass fast alle DIN-Prozesse realisiert wurden. Über zwei Jahre hinweg wurde die neue PM-Methodik erfolgreich eingeführt. Konkrete Vorteile gegenüber der bisherigen Vorgehensweise waren:

  • Mehr als 90% der Projekt werden erfolgreich abgeschlossen
  • Der Aquiseerfolg bei Projekten liegt erheblich über dem Branchendurchschnit
  • Die Budgets werden besser eingehalten
  • Das Vertrauen der Kunden in die Projektkompetenz ist deutlich gestiegen
  • Reibungsverluste werden durch eindeutige Prozesse und klare Verantwortlichkeiten reduziert
  • Bessere Steuerungsmöglichkeiten für das Management

Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Einführung der DIN-basierten PM-Methodik bei Realtech war die Vermeidung unnötiger Bürokratie. Daneben war gutes internes Marketing enorm wichtig.

Mit der Zusammenfassung des Beitrags aus dem Tagungsband der GPM zum PM Forum 2009 liegt nun ein erster Praxisbericht in diesem Blog zum Einsatz von DIN 69901 vor. An dieser Stelle möchte ich mich für die Bereitstellung des Tagungsbands durch die GPM bedanken.

Neben Gesprächen auf dem GPM Forschungswerkstatt in Berlin in diesem Jahr habe ich natürlich auch an anderen Stellen hinsichtlich der Anwendung der DIN-Norm nachgeforscht. Die meisten Organisationen, die sich mit der Norm auseinandersetzen, verwenden sie als eine von mehreren Normen und Standards für die Entwicklung einer eigenen PM-Methodik.

Wenn Sie Praxisbeispiele für die DIN 69901 ergänzen können, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

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