World Café – Ideen-Inkubator oder interdisziplinärer Ideenaustausch?

Im Rahmen der GPM Forschungswerkstatt in Berlin (Berichte Tag 1 und Tag 2) fragt mich Prof. Schelle, was ich von der World Café-Methode halten würde. Hier nun die versprochene Antwort.

Die Methode wurde von den amerikanischen Unternehmensberatern Juanita Brown und David Isaacs entwickelt und zielt darauf ab, dass Teilnehmer solcher Workshops auf Basis ihres kollektiven Wissens in konstruktiven Gesprächen neue Perspektiven, Denkweisen und Handlungsweisen entwickeln. Dazu können 12 bis 2.000 Teilnehmer in kleine Gruppen von 4-5 Personen aufgeteilt werden, die in gemütlicher Kaffeehaus-Atmosphäre diskutieren. Die Tische der Kleingruppen sind mit Papier bespannt, auf denen die Teilnehmer Ideen und Ergebnisse notieren können. Im Rahmen einer 2-3-stündigen Veranstaltung diskutieren die Teilnehmer jeweils 15-30 Minuten pro Tisch und mischen sich dann neu. Pro Tisch gibt es einen Moderator, der in die Methode einführt, die Diskussion bei Bedarf lenkt und jede neue Gruppe in den Verlauf und die Ergebnisse der vorherigen Runde einführt. Wichtig ist die Ausarbeitung geeigneter Fragen, die jede kurze Diskussionsrunde ausrichten. Das Ende eines World Cafés bildet eine Reflexionsphase.


In Berlin diente das World Café dem schnellen Austausch von Ideen und Erfahrungen einer Gruppe von Fachleuten aus verschiedensten Fachrichtungen und Organisationen. Die Stärke bestand darin, dass jeder zu Wort kommen konnte und eine große Menge von Ergebnissen festgehalten wurden. In einer abendlichen Auswertungsphase der Veranstalter wurden die wichtigsten Ergebnisse, die sich aufgrund ihrer Relevanz meist auf mehr als einer „Tischdecken“ fanden, zusammengefasst und dienten als Basis der Themenplanung für Arbeitsgruppen am folgenden Tag. In diesem Sinne war das Workshop-Format World Café ein voller Erfolg.

Parallel diente es dem gegenseitigen Kennenlernen nach der Vorstellungsrunde, welches am Abend in gemütlichen Networking-Runden fortgesetzt wurde.

Herausfordernd war aus meiner Sicht die teilweise sehr verschiedene inhaltliche Ausrichtung der Diskussionen. D.h. die Vorstellung der Ergebnisse der vorherigen Runde durch den Moderator kann die größten Teil der 15-30 Minuten an einem Tisch ausmachen, bevor der neue Diskurs in Gang kommt. Teilweise sind die Inhalte tatsächlich personengebunden, so dass der Moderator sich in einer durchaus schwierigen Lage befinden kann. Hier ist aus meiner Sicht die passende Auswahl der Moderatoren, auch Gastgeber genannt, besonders wichtig.
Dieser möglicherweise negative Punkt kann auch positiv gesehen werden, denn stark unterschiedliche Sichtweisen einzubringen, ist genau eines der Ziele eines World Cafés.

Eine Empfehlung meinerseits ist, sich gerade in der letzten Runde, der Reflexionsphase, nach der Vorstellung der vorangegangenen Diskussion durch den Moderator auf die Zusammenfassung der Ergebnisse zu konzentrieren. Einen erneuten Diskurs in vollem Umfang in Gang zu setzen, ist zeitlich herausfordernd und man läuft Gefahr sich in unklarer Ausrichtung zwischen einer neuen Diskussion versus Reflexion zu verzetteln.

Die Methode World Café ist aufgrund der kurzen Zyklen vor allem schneller Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ideen aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Je nach Vorwissen und Diskussionsteilnehmern ist dies für den Einzelnen mehr oder weniger spannend. Der Nutzen entwickelt sich wie in Berlin aus meiner Sicht vor allem aus der nachfolgenden Auswertung der Ergebnisse, z.B. im Rahmen von Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppen können als Ideen-Inkubator auf Basis des vorangegangenen World Cafés dienen.

Letztlich wurde so im Rahmen der GPM Forschungswerkstatt für ein neues bisher nur wenig erforschtes, aber in der Praxis höchst relevantes Thema, erfolgreich eine „Landkarte gezeichnet“ und Ansätze für die weitere Forschung und Entwicklung geliefert.

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