Wie schafft man das Umfeld für effektives Projektmanagement?

Heute begann die inzwischen dritte Forschungswerkstatt der GPM, diesmal in Berlin zum Thema Organisational Competence in Project Management (OCiPM). Die Teilnehmer sind handverlesen und hochrangig und so habe ich diverse Koryphäen des Projektmanagements kennenlernen dürfen. Das Thema selbst zielt auf einen weißen Fleck auf der Karte des Projektmanagements. Sie werden selbst in Projekten erlebt haben, dass gutes Projektmanagement alleine nicht notwendigerweise zu einem erfolgreichen Projekt führt. Der Kontext eines Projekts im Sinne der umgebenden Organisation, ihrer Strategie, ihrer Kultur u.v.m. ist im Allgemeinen vorgegeben. Wenn man umgekehrt die Frage stellt, wie diese Umgebung beschaffen sein muss, wie man ihren Reifegrad misst und welche Erfolgsfaktoren gegeben sein müssen, wird das Eis dünn. Meist hört man etwas vom klaren Projektauftrag, einem geeigneten Sponsor etc.

Ziel der Forschungswerkstatt ist es Impulse zu setzen, herauszufinden wozu geforscht werden muss und welche Themen die GPM aufgreifen sollte. Die Impulsreferate und die World Café Sessions von Forschern, Soziologen, Trainern, Coaches und Entscheidern aus der Wirtschaft hat für spannende und vielfältige Diskussionen gesorgt, bei denen man effektive interdisziplinäre Zusammenarbeit live erleben konnte.

Hier einige Punkte des ersten Tages, die ich besonders spannend fand. In den nächsten Tagen werde ich mich einzelnen Themen detaillierter widmen:

  • Das Top-Management infizieren
    Die Etablierung von Projektmanagement über die „Kulturinsel“ der Projektmanagement-Parallelorganisation hinaus in Unternehmen erfordert die Unterstützung des Top-Managements. Nur wie gewinnt man diese? Wie „infiziert“ man diese Personen? Dies kann nur über eine Nutzenbetrachtung in der Sprache des Top-Managements erfolgen, am Besten außerhalb der eigenen Organisation. Die Unterstützung des Top-Managements für Projektmanagement ist ein akutes Problem, dessen allgemeine Lösung noch relativ weit entfernt ist.

  • Zielsysteme ändern
    Der effektive Einsatz von Projektmanagement wird häufig an Abteilungsgrenzen auf die Probe gestellt. Wie sorgt man beispielsweise dafür, dass im Vertrieb die Bedürfnisse eines zukünftigen Projekts berücksichtigt werden? Hier ist ein Umdenken in den Werte- und Zielsystemen vieler Abteilungen einer Organisation notwendig. Der „alte Stil“ führt nicht unbedingt zu gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit. Ein Umdenken und eine engere Zusammenarbeit der Fachabteilungen in Projekten dagegen führt zu klaren Wettbewerbsvorteilen.

  • Führungskräfte ausbilden
    Um dieses Potential zu heben ist es unabdingbar, dass Führungskräfte „besser“ ausgebildet werden. Linienorganisationen tun sich schwer in der Zusammenarbeit mit Projektorganisationen und beide wiederum in der Zusammenarbeit mit dem Top-Management. Die Ausbildung der Manager, und strenggenommen auch vieler anderer Rollen wie z.B. wieder im Vertrieb, sollte in Zukunft einen Überblick über Projektmanagement umfassen, um den Blick für die Bedürfnisse der Zusammenarbeit zu schärfen. Das klassische Gegeneinanderarbeiten und Schützen der eigenen Pfründe wird auch weiterhin einen Teil des Potentials von Organisationen lähmen.
    Ein konkreter Bedarf ist das Training von Sponsoren, um diese in die Lage zu versetzen, die an sie gestellten Anforderungen zur Sicherstellung von Projekterfolgen zu erfüllen.

Ein gutes Bild wurde in einem der Impulsreferate beschrieben: Die vernetzte Inselrepublik (PM-Organisation) mit stabilen Verbindungen zum Festland (Linienorganisation) auf dem Weg zur projektkompetenten Organisation. Dieses Bild impliziert eine Einmaligkeit, die aus der Erfahrung einer Organisationsentwicklerin von Siemens unvollständig ist. Letztlich ist ein kontinuierlicher Weiterentwicklungsprozess von Organisationen notwendig.

Dies waren einige Impressionen vom ersten Tag. Nun geht es zum Networking und morgen in Arbeitsgruppen. Vom morgigen Tag werde ich voraussichtlich etwas später berichten, da der Zeitplan randvoll ist.

Und an dieser Stelle mein Dank für die Einladung zur Forschungswerkstatt! Um meiner Werbepolicy gerecht zu werden: Es gab keine Vorteile für den Autor bis auf den freundlicherweise von der GPM für das Tippen dieses Artikels spontan in einer Pause bereitgestellten Laptop.

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