IPMA lädt alle PMI® Chapter ein Mitglied zu werden!

PMI BB (Icon)Ist es nun eine Marketing-Glanzleistung oder die Einladung zum erweiterten Dialog? In der Novemberausgabe von PMWorldToday lädt die IPMA-Präsidentin Brigitte Schaden alle PMI®-Chapter ein, Mitglieder in der IPMA zu werden. Weiterhin sieht sie die IPMA in der Rolle der Vereinten Nationen für das Projektmanagement in zwei Jahren.

Oliver Lehmann, u.a. Vice President Members des PMI München Chapters sieht es so:

„PMI Chapter sollen der IPMA beitreten? Interessanter Gedanke.

Nun haben sowohl die IPMA und ihre Mitgliedsorganisationen wie auch das PMI mit seinen Chaptern ein recht komplexes System von Verträgen, und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieser Schritt darin möglich wäre.

Man muss Frau Schaden aber für den interessanten Denkansatz und für das Aufstoßen von eher verschlossenen Türen großes Lob aussprechen.“

Ich für meinen Teil freue mich ebenfalls, dass die IPMA in einen derartigen Dialog einsteigen will, nachdem die Reibereien zwischen den PM-Fachverbänden eine lange Historie haben. Schauen wir uns das Ganze jetzt mal praktisch und mit teilweise nicht ganz ernster Miene an, gefolgt von einem konkreten Vorschlag:

  1. Das PMI hat mehr als fünfmal soviele Chapter wie die IPMA Länderorganisationen. Da fühlt man sich an den fehlgeschlagenen Versuch von Studenten die FDP zu übernehmen erinnert. Die Organisationen sind eben doch ziemlich unterschiedlich.
  2. Die IPMA nimmt nur eine nationale Organisation pro Land auf, und Corporate Membership ist nur für den Fall vorgesehen, dass es keinen nationalen Verband als Mitglied der IPMA gibt. Wo passen da Chapter ins Bild?
  3. Die UN steht für Weltfrieden, Völkerrecht und Menschenrechte, die IPMA für Promotion von Projektmanagement, Bereitstellung von Standards auf Basis der ICB und „das weltweit führenden 4-Level-Zertifizierungssystem“. Dieser Führungsanspruch passt nicht zu einer Zusammenarbeit mit PMI Chaptern.

Also erstmal zurück auf den harten Boden der Realität! In Deutschland wird die GPM für eine hypothetische PMI-Chapter-Dachorganisation nicht aus der IPMA austreten und die Chapter auch nicht in einer entscheidenden Rolle neben sich dulden können und soll sie auch nicht da nicht zielführend.

Für einen gemeinsamen Weg der Fachverbände bedarf es einer Vision. Dafür sollten aus meiner Sicht eine relevante Anzahl weltweiter Fachverbände ein „PM Manifest“ analog dem Agilen Manifest entwickeln. Dieses gibt die Ziele und die Leitplanken des gemeinsamen Handelns vor und erlaubt Schritt für Schritt echten Mehrwert für Projektmanager und Organisationen zu schaffen, ohne dass die Differenzen der Verbände im Vordergrund stehen. Auf diesem Weg kommen die Fachverbände allerdings auch nicht umhin, ihre Agenda auf den Prüfstand zu stellen.

Sehr geehrte Frau Schaden, ich lade Sie ein, gemeinsam mit der Community der Projektmanager, so verteilt sie im Netz auch ist, die Diskussion über einen gemeinsamen Weg der Fachverbände anzustoßen. Denn letztlich sollten sich die Fachverbände auf einem gemeinsamen Weg am Bedarf der Projektmanager ausrichten, ergänzt um strategische Ziele zur Verbreitung von Projektmanagement als Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Organisationen. Bitte nehmen Sie den Ball mit einem Kommentar zu diesem Posting auf.

BrigitteSchadenÜber Brigitte Schaden
Im letzten Jahr wurde Brigitte Schaden zur Präsidentin der IPMA (International Project Management Association gewählt. Aufgewachsen in Österreich, ist sie heute selbständig (Homepage im Moment nicht erreichbar) und u.a. Mitglied im pma-Vorstand sowie in diversen weiteren Rollen in der IPMA aktiv.

Hinweis: Dieses Posting ist kein offizielles Statement des PMI® oder eines seiner Chapter, sondern die Meinung der genannten Einzelpersonen und des Autors.

Eine Antwort zu IPMA lädt alle PMI® Chapter ein Mitglied zu werden!

  1. SH sagt:

    Hallo Andreas,

    danke für diesen interessanten Beitrag.

    In Summe finde ich die Diskussion jedoch eher müßig, da sie aus meiner Sicht jeglicher realen Grundlage entbehrt. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die Aussage von Fr. Schaden ironisch gemeint war.

    Persönlich erinnert mich die „Hassliebe“ zwischen PMI und IPMA eher an einen Kindergarten. Meine These ist, dass sich die Realitäten im Projektmanagement schneller und „agiler“ verändern werden, als die großen Dachverbände mit ihren verkrusteten Strukturen nachziehen können.

    Mein Fazit: Viel Wind um wenig Substanzielles. Außerdem finde ich es gar nicht mal schlecht, dass es etwas gesunden Wettbewerb im Bereich der PM Verbände gibt.

    Grüße, Stefan

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