Heute ist doch jeder Projektmanager – oder?

Meinung (Icon)Derzeit feiert das PMI® sein 40-jähriges Bestehen auf dem PMI® North America Congress und die GPM ihr 30-Jähriges auf dem PM Forum 2009 in Berlin. Die Menge der PM-Blogpostings und Twits hat sich dementsprechend vervielfacht. Viel Wichtiges ist dabei und wartet auch in meiner Materialsammlung auf Bearbeitung, allerdings gibt es nur Weniges, das gleich den Sprung ins Blog schafft. Dazu gehört das Posting von Chalyce über eine Präsentation zur Dark Side of Project Management von Gary Heerkens auf dem PMI Kongress.

Er legt sich doch tatsächlich auf dem Kongress mit dem PMI an, indem er die PM-Fachverbände auffordert sich mehr um die Weiterentwicklung des Berufsbildes, als um die Steigerung der Mitgliederzahlen zu kümmern. Wenn man sich die diversen juristischen Versuche des PMI ansieht Kritik zu unterbinden, ist das mutig.

Anlass sind seine Bedenken über die Trivialisierung des Projektmanagements in den letzten 15-20 Jahren. Er sieht, dass PMs 60 bis 70 Wochenstunden arbeiten, wenig Respekt des Managements ernten und bereits Projektmanager genannt werden, wenn sie wenig Ahnung von der Profession haben. Aus seiner Sicht wollen deshalb Projektmanager inzwischen ihre Rolle wechseln. Als Verursacher der Misere sieht er Senior Management, die PMs selbst, PM-Fachverbände, Trainings- und Beratungsunternehmen, Standardisierer und Autoren.

Mit seiner Liste der Verursacher kann ich nicht viel anfangen, allerdings liegt das Problem des Jeder-ist-doch-PM-Syndroms auf der Hand.


Natürlich managed jeder in gewisser Weise automatisch ein Projekt, wenn er beispielsweise privat ein Haus baut, allerdings ist er damit noch kein Projektmanager entsprechend des „gefühlten“ Berufsbilds. Dazu gehören viele Kompetenzen, wie die GPM/IPMA anschaulich in ihrem NCB/ICB-Standard darlegt und die Kenntnisse von eines Prozessmodells und von Methoden, wie der PMBOK® Guide und PRINCE2 zeigen.

Aus dem Begriff „Projektmanager“ eine geschützte Berufsbezeichnung zu machen, wird nicht zum Ziel führen. Von „zertifizierten Projektmanagern“ zu sprechen, führt zu einer gewissen Unterscheidung, die allerdings viele Aspekte unberücksichtigt lässt. Der Ansatz mancher Personalabteilungen, Mitarbeiter „Projektmanager“ zu nennen um rechtliche Herausforderungen zu lösen, ist auch weniger als hilfreich.

Ich stimme Gary Heerkens dahingehend zu, dass mehr „Aufklärungsarbeit“ geleistet werden muss. Diese kann tatsächlich am Besten von den Fachverbänden geleistet werden. Viel Arbeit wird auch in das Marketing der Fachverbände gesteckt, allerdings fehlt es manchmal an Qualität, wie er richtig bemerkt hat.

Welche Wege schlagen Sie vor um den Trend der Trivialisierung entgegenzuwirken?

Eine Antwort zu Heute ist doch jeder Projektmanager – oder?

  1. Projektmanager ist die häufig eitle Personalisierung von Projektarbeit.
    Der Titel ist unwichtig. Interessant ist der Aspekt der Projektarbeit: Unbekanntes zu strutkurieren und systematisch zu einer Lösung und Umsetzung zu kommen. Dafür liefert uns das PM zahlreiche Krücken (Hilfmittel), die „nur mehr“ situations- und anwendungsspezifisch richtig eingesetzt werden müssen.
    Auch die Zertifizierung ist nur eine Krücke, die etwas über die PM-Skills einer Person aussagen soll, tut sie aber nicht immer und mittlerweile kennen wir alle die Kommerzialisierung des Zertifizierungsmarktes.

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