Lessons Learned – deutsch-französische Projektteams

Praxis (Icon)In der aktuellen projektMANAGEMENT aktuell der GPM bin ich auf eine gute Zusammenstellung von lessons learned im Zusammenhang mit deutsch-französischen Projektteams gestoßen. Frau Dr. Danielle Dahan-Feucht gibt zusammengefasst folgende Empfehlungen im Interview:

  1. Kritik muss in Frankreich indirekt und höflich an der Sache geäußert werden, denn sonst wird sie schnell als Kritik an der Person verstanden und führt damit zu Schwierigkeiten. Eine typische Variante ist, dass man dem Kritisierten darlegt, dass die Umstände vielleicht nicht so waren, dass er seine Aufgabe hätte ausführen können.

  2. Person und Aufgabe sind in Frankreich enger miteinander verbunden als in Deutschland. D.h. auch bei Präsentationen ist es ungeeignet, so sachlich zu präsentieren, als hätte man mit den Arbeitsergebnissen nichts zu tun.
  3. In Frankreich findet man anstatt Meetings häufig auf die Réunion, bei der selten alle pünktlich erscheinen, alle ihre Meinung äußern, eigentlich keine Entscheidungen getroffen werden und kein Protokoll angefertigt wird. Dort testet ein Entscheider eher die Stimmung unter den Mitarbeitern und man tauscht Ideen aus.
  4. Entscheidungen werden in Frankreich eher vor Meetings getroffen oder im Anschluss mit dem betroffenen Mitarbeiter.
  5. Der Führungsstil in französischen Unternehmen ist eher autoritär, d.h. Entscheidungen werden nicht kooperativ, sondern vom Management getroffen. D.h. auch bei Verhandlungen versichern sich Franzosen häufig rück, während Deutsche eher selbst entscheiden können.
  6. In Frankreich kommt der Smalltalk vor dem Geschäft, im Gegensatz zu Deutschland, man lernt sich quasi kennen. Hierzu gehört auch, dass Franzosen bei der Arbeit sich auch menschlich entfalten wollen und damit eine andere Grundlage der Interaktion existiert.
  7. Beim Mittagessen werden häufig wichtige Informationen ausgetauscht, deshalb sollte man sich als Projektmanager von diesen Runden in Frankreich nicht abgrenzen.
  8. Verspätungen sind in Frankreich üblich! Deshalb argumentiert man hinsichtlich Projektterminen auch eher über die Kompetenzen der Mitarbeiter und ihren Beitrag zum Projekterfolg, der wiederum auch am Termin gemessen wird.
  9. Französisch ist in längerlaufenden Projekten ein Muss. Vieles wird zwischen den Zeilen gesagt und die hohe Sprachkultur führt dazu, dass Franzosen eher ungern Englisch sprechen. In der Fremdsprache fehlt zunächst die Möglichkeit mit Sprachspielen etc. glänzen zu können.

Auch wenn Frankreich vor der Haustür liegt, sind die Herausforderungen in interkulturellen Projekten nicht kleiner als mit fernen Ländern. Dies sollte einem bei jedem Projekt bewusst sein. Insbesondere muss man sich auf die französische Arbeitskultur gut vorbereiten und sollte ein erstes Meeting zum Kennenlernen ohne Powerpoint etc. einplanen.

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