Internet-Zensur, -Überwachung & andere Lügen reloaded

Meinung (Icon)Vor einiger Zeit hatte ich anläßlich des Internet-Zensur-Gesetzes, welches als Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornographie von der Politikern vermarktet wurde, einige Postings veröffentlicht:

Nun hat das Thema einen gewissen Meilenstein erreicht, da das Gesetz in verschlimmbesserter Variante verabschiedet wurde, wie Richard Jörges im Blog MacPM berichtet. Das abschließende Posting zum Thema habe ich mir aufgespart, denn, wie nicht anders zu erwarten, kam das dicke Ende ja noch.


Auf der einen Seite haben sich längst Rechteverwerter diverser Couleur auf das Zensurgesetz gestürzt um den regen Tausch von lizenzpflichtigen Inhalten im Internet zu beenden, andere versuchen bereits fleißig jede Art unliebsamer Inhalte im Web zu zensieren. Wo das hin führt, zeigt aber die große Koalition in Schleswig-Holstein. Noch während das Bundesverfassungsgericht die Rechtmäßigkeit der Vorratsdatenspeicherung prüft, soll dort bereits der Polizei umfassender Zugriff auf diese Daten gestattet werden. Die dafür zu nehmende Hürde ist deutlich geringer, als ursprünglich von der Politik im Marketing angekündigt.

Unterm Strich kann ich dem polemischen Bild, welches Richard in seinem Posting aufgreift, nur zustimmen. Es gibt eine erhebliche Kluft zwischen denen, die das Internet nutzen und denen, die vor dem Internet Angst haben, weil sie es weder verstehen noch effektiv nutzen können (a.k.a. Internetausdrucker). Auf diesem Wege werden selbstverständlich geglaubte Rechte in den Bereichen Datenschutz, Privatsphäre und Persönlichkeit ausgehebelt und man ist besorgt, dass demnächst der digitale Polizeistaat Wirklichkeit ist. Faktisch ist die Überwachung im Onlinebereich jetzt bereits effektiver und gründlicher als in der real world.

Um den Bogen zurück zum Projektmanagement zu schlagen… genausowenig wie man als Projektmanager seine Mitarbeiter in unsichere Länder schicken sollte in denen Gefahr für Leib und Leben besteht, sollte man die heraufziehenden Gefahren im Onlinebereich ignorieren. Die zunächst von unserer Familienministerin Ursula von der Leyen fast produzierte Katastrophe im Internetbereich (Zensurgesetz) ist glücklicherweise entschärft worden. Der Trend ist allerdings klar und die potentiellen Gefahren für Projektmitarbeiter steigen. So sollten Projektmanager stets informiert sein über die Rechtslage im Internetbereich und sich der „Gefahren“ bewusst sein.

Der geplante Podcast zum Thema ist leider nicht zustande gekommen, da der FoeBuD intensiv mit seiner Informationskampagne rund um den Gesetzentwurf beschäftigt war. Wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt, werde ich das Thema Sicherheit im Internet im Rahmen von Projekten wieder aufgreifen und möchte Sie anregen, aktiv an der Diskussion zum Thema Überwachung und Zensur im Internet teilzunehmen, um weiteren Unfug seitens der Politik und Lobbyisten zu verhindern.

3 Antworten zu Internet-Zensur, -Überwachung & andere Lügen reloaded

  1. […] wie Frau von der Leyen handelte dieses Blog schon einige Male, zuletzt im Zusammenhang mit den Risiken für Projektmanager. Zwar wurde das Zensurgesetz nun doch völlig überraschend vom Bundespräsidenten unterzeichnet, […]

  2. […] Schäuble und Frau von der Leyen durch Nachfolger mit hoher Medienkompetenz abgelöst werden. Durch vergangene Debakel wie das Internet-Zensurgesetz bedingt, hat sich bereits eine Verschiebung bei den gewählten Parteien ergeben. Durch die neuen […]

  3. Karl-Wilhelm von Rotenhan sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen!
    Dennoch:
    Wenn wir das Thema IT Sicherheit im Interesse des Projektes thematisieren, sollten wir uns darauf konzentrieren nicht Politik zu machen sondern in Clustern den Umfang des Themas im Verantwortungsbereich des PL deutlich heraus zu arbeiten.
    IT Sicherheit bedeutet doch im Wesentlichen:
    ** Sicherheit vor Verlust von Daten
    ** Sicherheit der Authentizität von Daten
    ** Sicherheit vor unberechtigtem Zugriff auf Daten
    ** Sicherheit vor Zerstörung und Verfälschung von Daten
    ** Sicherheit der Informationsübertragung
    ** Sicherheit der Informationsablage
    ** Sicherheit unbelasteter (schnell und Engpass frei)Datenströme
    ** Sicherheit des rechtskonformen Umganges mit Informationen, Daten und Inhalten.
    ** Sicherheit hinsichtlich des bewussten Umganges aller daran beteiligten Personen und Gruppen mit dem gesamten Thema IT Sec.
    Ich kenne heute schon zunehmend mehr Unternehmen, die Ihre gesamte IT Landschaft radikal vom Netz nehmen und die externen Verbindungen auf wenige und physikalisch abgeschirmte Punkte konzentrieren.

    Das hat erhebliche Kostenvorteile, hält die Mitarbeiter am und im Thema und reduziert den Wartungsaufwand erheblich, natürlich zu ungunsten der Kommunikationsgesellschaft.

    Wenn das sauber thematisiert wird, was ich in meinen Lehrgängen übrigens immer tue, dann schaffen wir ein gesundes Bewusstsein für den rationalen Umgang mit dem gesamten Thema.

    Eine für manche Manager hilfreiche Lektüre zum Thema ist der BS 7799, die daraus hervorgegangenen Normen ISO 27001 und 27002 sowie auf diese Normen referenzierende Veröffentlichungen. (http://de.wikipedia.org/wiki/BS_7799).

    Sie thematisieren den technisch, kommerziellen Aspekt und nicht die politischen Intentionen. Das hilft deutlich bei der Fokussierung in Meinungs-Dschungel.

    Ich wünsche einen schöne Tag.

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