Der agile PMBOK® Guide 4th edition – Risikomanagement

Standardisierung (Icon)Risikomanagement und vor allem der geeignete Umgang mit Risiken, das „Erkennen und Akzeptieren der Wahrheit“ anstatt Verdrängung und Verzögerung von Entscheidungen, ist aus meiner Sicht heute einer der regelmäßig wiederkehrenden Problempunkte fehlgeschlagener Projekte. Der offensive Umgang mit Risiken bereits während der Entscheidungsphase über ein Projekt dagegen stellt sicher, dass die Überraschungen vermieden und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlags reduziert wird. In der Reihe zum agilen PMBOK® Guide hier meine Anmerkungen zu den Prozessen des Wissensgebiets Risikomanagement:

  • Risikomanagement planen
    Völlig unabhängig vom gewählten Vorgehensmodell muss der Umgang mit Risiken zunächst geplant werden. Dies sollte insbesondere in agilen Projekten verstärkt gemeinsam mit dem Team erfolgen. Letztlich muss das gewählte Risikomanagement aber von den Stakeholdern unterstützt werden.

  • Risiken identifizieren
    Die Methoden und Techniken der Risikoidentifikation lassen sich ebenfalls bei allen Vorgehensmodellen anwenden. Am Beispiel SCRUM lassen sich drei Punkte aufzählen, an denen sich neue Risiken besonders günstig ermitteln lassen: bei der Sprintplanung, beim Daily SCRUM und im Rahmen der Retrospektive. Das Daily SCRUM liefert dem Projektmanager im Gegensatz zu anderen Vorgehensmodellen sogar täglich Informationen hinsichtlich Risiken, in der Retrospektive kann aus der Sicht auf den vergangenen Sprint auf Risiken für den nächsten Sprint geschlossen werden.

  • Qualitative Risikoanalyse durchführen
    Die Bewertung und Priorisierung von Risiken muss auch bei agilen Projekten durchgeführt werden. Dies kann entweder im Rahmen der Sprintplanung oder in einem dedizierten Meeting erfolgen, wenn SCRUM eingesetzt wird.

  • Quantitative Risikoanalyse durchführen
    Eine quantitative Risikoanalyse halte ich über übertrieben in agilen Projekten. Anders ist es, wenn die agile Vorgehensweise skaliert wird, so dass es sich um ein „Großprojekt“ handelt. Hier können die Werkzeuge und Methoden dieses Prozesses angebracht sein, ansonsten sollte er gestrichen werden im Rahmen einer Anpassung des PMBOK® Guide 4th edition für ein agiles Projekt.

  • Risikobewältigungsmaßnahmen planen
    Dieser Prozess ist ein Muß und kann so wie er ist beibehalten werden.

  • Risiken überwachen und steuern
    Hinsichtlich der Überwachung und Steuerung von Risiken würde ich insbesondere bei SCRUM eine Modifikation anbieten. Die Rücksprache mit Einzelnen hinsichtlich Risiken oder ein dediziertes Meeting mag in einigen Fällen nicht angebracht sein. Vielmehr schlage ich vor, am Ende des Daily SCRUMs dem Projektmanager das Wort zu erteilen und ihn eine streng begrenzte Zeit Fragen in die Runde stellen zu lassen. Als Beispiel könnte man ihm täglich 5 Minuten Zeit reservieren. Das Team wird gerne darauf eingehen, wenn es sich dadurch langwierige zusätzliche Meetings sparen kann.

Meiner Meinung nach ist das Risikomanagement neben dem Kommunikationsmanagement einer der Knackpunkte erfolgreicher Projekte. Und selbst in Kleinprojekten macht es Sinn sich eine kleine Tabelle mit den wichtigsten Risiken zu pflegen um sie geeignet zu managen. Im Rahmen von SCRUM darf die neu gewonnene Freiheit des Teams nicht verwechselt werden mit der Freiheit, best practices des Projektmanagements über Bord zu werfen. Dazu gehört eben, dass Risikomanagement genauso gründlich wie in anderen Projekten durchgeführt wird, ggf. noch gründlicher da die Randbedingungen der agilen Projekte potentiell mehr unterschiedliche Projektausgänge zulassen. Viel Erfolg!

One Response to Der agile PMBOK® Guide 4th edition – Risikomanagement

  1. Tobias S. sagt:

    Dass auf das Risikomanagement (neben dem Kommunikationsmanagement) bei Projekten generell sehr viel Wert gelegt werden sollte, sehe ich ganz genauso! So nebenbei habe ich in der Zwischenzeit ohnehin das Gefühl, dass den verantwortlichen Managern / Geschäftsführern immer mehr die Notwendigkeit des Risikomanagements bewusst wird, unabhängig davon ob es sich nun um kurzfristig angesetzte Projekte handelt oder um langfristige Maßnahmen, welche einem ganzen Unternehmen zu Gute kommen. Seit kurzem werben sogar Unternehmen wie Proquest in Österreich aktiv damit, unentgeltlich eine gewisse Anzahl von Unternehmensbereichen zu analysieren, um somit u.a. Skeptikern das Risikomanagement näher zu bringen. Auch ist mir aufgefallen, dass immer häufiger Seminare bzw. Kurse angeboten werden, in welchen Inhalte über das Risikomanagement, die Risikoanalyse und co durchgenommen werden. Meiner Meinung nach werden jene Angebote hier sehr positiv aufgenommen!

    Ich denke, dass man diesen erfrischend neuen „Trend“ als sehr vernünftigen Schritt ansehen kann.

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