Funktioniert Projektmanagement wirklich universal?

Soft Skills (Icon, Weiser)Projektmanagement ist eine Kunst für sich und zunächst einmal unabhängig von den Inhalten des Projekts. Man kann jedes Projekt in Phasen aufteilen, in denen es bestimmte vordefinierte Aufgaben zu tun gibt, die sich unabhängig vom eigentlichen Thema immer wieder gleich gestalten. Man nehme z.B. die Initialisierungsphase und die Aufgaben Stakeholderanlyse, Scopedefinition, Analyse der Anforderungen und Randbedingungen. Oder die Planungsphase mit Erstellung einer Work Break Down Structure.  So weit so gut. Oder?

Hier ein kleiner aktueller Erfahrungsbericht….Da ich aus dem IT Bereich komme bin ich als Projektleiter geübt Projekte zur Anwendungsentwicklung oder -auswahl, -einkauf und -einführung zu betreuen. Dazu bin ich seit Jahren auf den Bereich E-Commerce spezialisiert. Man kennt aus Erfahrung die verschiedenen Fachbereiche in denen man seine Stakeholder sucht, von den eigentlichen Auftraggebern bis zu Spezialisten im juristischen Bereich. Man kennt die allgemeinen Infrastrukturkomponenten wie Securitysysteme und Berechtigungssysteme nach denen man Ausschau halten muss. Kurzum, es ist relativ leicht, basierend auf seinen eigenen Erfahrungswerten auch in einem vollständig neuen Umfeld alle wesentlichen Informationen strukturiert zu ermitteln.

Doch was wenn man als Projektleiter auf einmal eine vollkommen neue Art von Projekt zu leiten hat? Beispielsweise die Gründung eines Tochterunternehmens für den Kunden. Und dazu einen Auftraggeber der erstens selbst keine Zeit hat und zweitens auch mit Erfahrungswerten aus dem Unternehmen nicht weiterhelfen kann, da das Thema auch im Unternehmen neu ist.

Die hohe Schule des Projektmanagements angewendet, müsste es doch eigentlich Schritt für Schritt machbar sein. Wir beginnen mit einem Projektcharter, Analysieren die Stakeholder und ihre Erwartungen, beginnen einen ersten Projektplan. Doch hier wird es schon schwierig: natürlich ist ein Projektplan leicht zu erstellen, wenn man alle Mitwirkenden im Boot hat und jeder mit seinem Fachwissen die Planung unterstützt. Doch wer sind die Mitwirkenden? Die juristische Abteilung für die formale, gesetzliche Gründung, Human Ressources für die Planung von Stellenausschreibungen, Facility Management für die Einrichtung von Büroräumen, die IT für die Bereitstellung der Infrastruktur, … was noch? Und genau hier wird es in meinen Augen schwierig, denn das „was noch?“ lässt sich eben nicht mehr mit dem eigenen Erfahrungsschatz herausfinden. Und in Ermanglung geeignet erfahrener Ansprechpartner bleibt man doch eher auf sich alleingestellt.

Hat die hohe Schule des Projektmanagements doch nicht recht?

Oder wie kann man so ein Thema angehen? Habt Ihr dazu Erfahrungen?

4 Antworten zu Funktioniert Projektmanagement wirklich universal?

  1. chris sagt:

    also ich bin ein großer Freund von Projektarbeiten und stelle fest, das die Organisation und Struktur meist universal sind. Auf der anderen Seite hat jedes Projekt einen eigenen Charakter, geprägt durch die Individuen wodurch die Verbindung zwischen traditionellen und agilen PM ersichtlich wird. Ein Projektmanager sollte hier auch einen guten ausgleich herleiten können.

  2. Ich würde sagen „je größer desto universaler“. In kleineren Projekten in denen oft erwartet wird, dass der PL auch einen Teil der projektfachlichen Arbeit übernimmt ist Branchen- oder Themen-Knowhow wichtig. In großen Projekten tritt dies in den Hintergrund, es wird wichtiger sich die richtigen Spezialisten ins Team zu holen. Dass hier dann eine Kompetenzrangelei zwischen PL und dem wichtigen Spezialisten entstehen kann steht auf einem anderen Blatt – die konstruktive Lösung der potentiellen Rangelei ist dann wieder normales (universales) PM Geschäft.

  3. Im Internet lassen sich ja zahlreiche Projektstrukturplänge finden. Vielleicht finden sich darin Anregungen.

    Wenn es um Unternehmensgründung geht, gefallen mir die Seiten der Wirtschaftskammer sehr gut: http://www.gruenderservice.net/

    Darin sind sicherlich zahlreiche Hinweise enthalten, WER WAS bis WANN zu tun hat…

    Auch ein Leitfaden für einen Bussinesplan gibt Einblicke wer Stakeholder sein müssen/sein könnten. Wer ist für die Risiken zuständig? Wer kann was über den Markt sagen? usw.

  4. Auf Xing gab es hierzu Anfang des Jahres schon eine Diskussion: https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=18385076;offset=0

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