12 Thesen zum Projektmanagement – Teil 2

Kurzartikel (Icon)Gestern ging es im ersten Teil meiner Kommentare zu den Thesen von Herrn Sedlmayer (vgl. sein Artikel im Projekt Magazin) um die ersten sechs Thesen zur Zukunft des Projektmanagements, heute kommen die Thesen sieben bis zwölf:

  • These 7: Unternehmen werden vermehrt Karrieremodelle für Projektleiter implementieren, um die Besten halten zu können.
    Viele Projektleiter kommen ursprünglich aus einer Fachkarriere, häufig wird ihnen danach nur eine Führungskarriere angeboten. Die Weiterentwicklung im Bereich Projektmanagement ist nur selten in Unternehmen möglich. Das 4-Level-Zertifizierungssystem der GPM bietet hier ein Muster für die Weiterentwicklung. Was ich zu den Ausführungen von Herrn Sedlmayer hinzufügen möchte ist die Tatsache, dass sich Unternehmen auch explizit scheuen ihren Projektmanagern Karrieren anzubieten. Letztlich würden Projektleiter dann deutlich höhere Gehälter beziehen als manche Manager und es besteht die Sorge, dass durch die Weiterqualifizierung Projektleiter zu einem anderen Unternehmen wechseln. Hier sind Vorarbeiten hinsichtlich der Unternehmenskultur notwendig, um Karrierepfade für Projektleiter überhaupt einführen zu können.

  • These 8: In der Qualitätssicherung wird „Six Sigma“ auch in den Projektmethoden vermehrt Einzug halten.
    Mangels Alternativen erwartet der Autor hier eine stärke Verbreitung in Zukunft, aus seiner Sicht haben sich die traditionellen Ansätze des Qualitätsmanagemens kaum in Projekten etabliert. In der PM-Blogosphäre lese ich zwar immer wieder über Six Sigma, allerdings lässt sich dort noch kein wirklicher Trend ablesen.

  • These 9: Bei den Methoden wird das PMI weiterhin die erste Geige spielen.
    Statistisch ist der PMBOK® Guide (fälschlicherweise im Artikel als PMBoK bezeichnet) nach ISO 9000x im Deutschland der verbreitetste Standard. Das die zugehörige PMP-Zertifizierung in Deutschland nur dort genutzt wird, wo es von Unternehmen gefordert wird, halte ich für abwegig. Angesichts Aufwand und Kosten für die GPM/IPMA-Zertifizierungen entscheiden sich viele Projektleiter gerade für PRINCE2- oder PMP-Zertifizierungen.

  • These 10: Bei den Zertifizierungen wird sich die IPMA durchsetzen.
    Herr Sedlmayer stützt sich hier vor allem auf die hohe Bedeutung der sozialen Kompetenz im IPMA-Standard und den zugehörigen Zertifizierungen. Hinsichtlich einer Extrapolation der Zertifizierungszahlen für die Zukunft sammele ich derzeit noch Daten um einen Vergleich durchführen zu können. Allein aufgrund der hohen Zuwächse bei der IPMA auf eine Führung zu schließen halte ich für gewagt. Auf der anderen Seite wird die GPM durch die geplante Basiszertifizierung einen erheblichen Marktanteil gewinnen. Eine vergleichbare Stakeholder-Zertifizierung bietet das PMI nicht. Die Basiszertifizierung ist keine IPMA-Zertifizierung, insofern würde ich die These jetzt bereits dahingehend ändern, dass die GPM in Deutschland hinsichtlich Zertifizierungen führend wäre. Wie gesagt, warte ich aber noch auf Vergleichszahlen, die allerdings nur sehr schwer zu beschaffen sind.
    Was den Wert der IPMA-Zertifizierungen betrifft schließe ich mich Herrn Sedlmayer ein. Durch die ausgewogene Betrachtung von methodischen Kompetenzen und Soft Skills sind diese „wertvoller“, allerdings fehlt dort komplett der Prozessanteil.

  • These 11: Tools haben weiterhin Hochkonjunktur.
    Dem stimme ich so zu, vor allem wird das Problem, dass Tools zur Problemlösung herangezogen werden, sich so schnell nicht lösen lassen. Ein Tool ersetzt nunmal keine gute Methodik und keine guten Prozesse.

  • These 12: Insourcing ersetzt Outsourcing.
    Der Outsourcing-Wahn ist glücklicherweise seit einiger Zeit als solcher erkannt worden. Die Herausforderungen sind unterschätzt und der steigende Lebensstandard in Ländern mit Outsourcing-Standorten nicht langfristig einkalkuliert worden.

Zusammenfassend finde ich den Artikel von Herrn Sedlmayer einen mutigen Schritt, mit vielen Thesen wird er Recht behalten. Was den Kampf um den Zertifizierungsmarkt betrifft werde ich weiter recherchieren um hoffentlich in Kürze mehr Zahlen anstatt Vermutungen liefern zu können.

4 Antworten zu 12 Thesen zum Projektmanagement – Teil 2

  1. […] So sollte man meiner Meinung nach die Nummerierung ganz schnell für das Projektmanagement aufgeben. Bis heute sind die Themen soziales und agiles Projektmanagement oder Projektmanagement 2.0 nicht geknackt worden. Vielmehr gilt es die einzelnen Disziplinen des Projektmanagements mit klaren Konzepten weiterzuentwickeln und es der jeweiligen Organisation freizustellen, welche der Konzepte für sie geeignet sind. Somit fällt man zurück auf die Frage, was nun die einzelnen Trends im Projektmanagement sind (vgl. 12 Thesen zum Projektmanagement Teil 1 und Teil 2). […]

  2. […] Portfoliomanagement. Nicht nur aus meiner Sicht (vgl. 12 Thesen zum Projektmanagement Teil 1 und Teil 2) ist dies der Weg in die […]

  3. […] Beratung: “12 Thesen zum Projektmanagement – Teil 1” und “Teil 2“. Andreas Heilwagen kommentiert 12 Thesen zum Projektmanagement von Martin Sedlmayer, […]

  4. Karl-Wilhelm von Rotenhan sagt:

    These 11:
    Also wenn ich mir die gestern abgeschlossene PM Expertentagung „PM Tools“ in Würzburg anschaue, dann mag das mit der Hochkonjunktur zumindest im Moment nicht ganz stimmen. Der Anteil der Anbieter gegenüber den Interessenten war überwältigend. Fazit:
    Viele Unternehmen stecken derzeit viel Energie in den Erfindung / Entwicklung eigener Werkzeuge. Sich im Markt verfügbaren Werkzeugen zuzuwenden und somit Standards zu nutzen ist scheinbar nicht so sehr angesagt. Das passt ja auch ein wenig zum Thema der Einzigartigkeit…

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