equilibrium: Wie man sich ein Segelboot föhnt…

Trimaran (Icon, neu)Während sich in Berlin wieder einmal die Krawallmacher tummeln und einige Bezirke heute besser als no-go-area deklariert werden, gibt es auch entspannte Beschäftigungen. Die Mini 40-Community rund um segelnde Trimaranmodelle fuchst derzeit an verschiedenen Designs für fliegende Boote (bitte im Forum scrollen, bis die Bilder kommen). Eine der Inspirationen ist die Hydroptère, ein großer Trimaran, der den Weltrekord über 1 nautische Meile mit knapp 70 Stundenkilometern hält. An Land sind die 200 km/h bereits mit einem Landsegler geknackt worden. Bei Projekt Management Beratung arbeite ich mit der equilibrium in der 2009er-Version daran einen der schnellsten 2m-Trimarane zu bauen.


Nach der ersten Regattateilnahme im letzten Jahr hatten sich einige Verbesserungspotentiale gezeigt. So wird gerade der neue Kevlar-Segelsatz montiert. Viele kleinere Umbauten im Elektronikbereich etc. sind bereits abgeschlossen.

Aber nun für Modellbauer und andere Neugierige zur Frage wie man sich ein Segelboot föhnt. Die equilibrium wurde im Auftrag gebaut, dabei wurden auch diverse 14mm-Schnellen aus Kohlefaser laminiert. Mit einem neuen Rigg stand ich vor der Herausforderung diese Schellen selbst herzustellen, denn zu kaufen gibt es in diesem Bereich nichts Passendes. Zu groß für gängige Modellboote, zu klein für den Sanitärbereich.

equilibrium: Schellen 1Auf meiner Suche bin ich auf thermoplastisches Carbon aka Memory Carbon gestoßen. Es lässt sich mit einem Heißluftfön (kein Haarfön) leicht verformen und behält nach Erkalten seine Form bei.

Als Ausgangsmaterial habe ich 0,8mm Memory Carbon genommen, einen Streifen für die Innen- und einen für die Außenseite der Schelle. Es lässt sich mit einer normalen Schere schneiden und ist auf einer Seite mit Sichtcarbon versehen.

equilibrium: Schellen 2Bewaffnet mit Föhn und Handschuhen biegt man nun den ersten Streifen für die Innenseite um einen 12mm-Stab. Damit hat er genügend Vorspannung um bei 14mm fest zu sitzen.

equilibrium: Schellen 3Danach stellt man den äußeren Streifen analog auf einem 14mm-Rohr her. Wenn man beide übereinanderlegt kann man prüfen, ob die Streifen passen und ggf. Korrekturen vornehmen und vor allem sicherstellen, dass die Vorspannung ausreichend ist. Wenn nicht, würde sich in meinem Fall das Vorsegel auf dem Trimaran selbständig machen.

equilibrium: Schellen 4

Hier nun das Ergebnis. Links eine Originalschelle, laminiert mit unterschiedlichen Dicken im Ring und im Bereich der Schraube. Daneben die vorgebogenen Streifen. An zweiter Stelle von rechts schließlich die mit Epoxy verlebten Streifen. Selbige sind danach mit einer kleinen Bohrmaschine und Trennscheibe hinsichtlich Form geschnitten und geschliffen worden. Rechts schließlich eine laminierte Schelle, bei der das CFK-Material ausgefranst war. Wenn man Epoxy auf den Rand bringt, hört der Ärger auf. Analog habe ich die selbst gebauten Schellen am Rand geschützt und damit auch gleich die unvermeidbaren kleinen Spalten geschlossen.

Erst durch das Verkleben von zwei Streifen gewinnt die Schelle die notwendige Steifigkeit und ist am Ende funktional ebenbürtig mit der laminierten Version. Dafür hat man sich den aufwendigen Bau einer Form geschenkt und muss nicht laminieren.

In den nächsten Wochen wird die equilibrium dann fast vollständig auf dem angepeilten Qualitätsniveau sein und an diversen Regatten und Veranstaltungen in Deutschland teilnehmen. Für den Oktober ist wieder die Teilnahme an der Regatta bei Paris geplant.

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: