Kommunikationsmodelle – Die Aspekte einer Nachricht (Teil 3)

Heute möchte ich im letzten Teil zum Thema Kommunikationsmodelle die fünf Axiome von Paul Watzlawick über Kommunikation(sabläufe)vorstellen. Nach seiner Theorie lässt sich jede Störung von Kommunikation auf ein Handeln gegen diese Axiome zurückführen.

„Man kann nicht nicht kommunizieren!“

Er beginnt mit der grundlegenden Aussage, dass zwei Menschen, die sich begegnen, nicht nicht kommunizieren können. Nicht nur Worte sondern jedes Verhalten Informationen transportiert.

Ob sich jemand seinem Gesprächspartner zuwendet oder sich – warum auch immer – abwendet, ist aus der Sicht dieses Axioms gleichwertig: beides hat nämlich eindeutig einen kommunikativen Mitteilungscharakter.

Störungen in der Kommunikation können auftreten wenn:

  • Kommunikation ignoriert wird
  • Kommunikation nur widerwillig angenommen wird
  • Kommunikation abgewiesen wird
  • Kommunikation einseitig beendet wird
  • durch Entwertung der Aussagen des Partners z.B. durch häufige Themenwechsel, Nicht-bei-der-Sache-sein, Bagatellisierung

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt.“

Jede Kommunikation enthält also über die reine Sachinformation hinaus einen Hinweis, wie der Sender seine Botschaft verstanden haben will und wie er seine Beziehung zum Empfänger sieht. Der Beziehungsaspekt bestimmt dabei, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Wichtig in einem Gespräch ist also nicht nur was man sagt, sondern auch wie man es durch Tonfall, Gestik, Stimme und Mimik sagt.

Weiterhin steht fest, dass wir das meiste in unserem Leben, auch im Berufs- oder im Geschäftsleben, beziehungsgeleitet tun.
Wir führen z.B. ein Gespräch lieber, wenn uns der gegenüberstehende Mensch symapthisch ist.

Störungen können auftreten wenn:

  • Eine negative Beziehung auf der inhaltlichen Ebene ausgetragen wird
  • Wenn die Uneinigkeit auf der Inhaltsebene auf die Beziehungsebene übertragen wird
  • Wenn der Beziehungsaspekt vernachlässigt oder herausgehalten wird (lass uns doch einfach mal sachlich reden)
  • wenn Unklarheit über die Beziehung besteht und/oder die Ebenen verwechselt werden
  • wenn man versucht, den Beziehungsaspekt aus der Kommunikation herauszuhalten

„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“

Unter Konstruktivismus versteht man, dass die Menschen sich ihre Wirklichkeit aufgrund von persönlichen, subjektiven Erfahrungen und Urteilen bilden, und diese dann für „wahr“ halten. Diese bestimmen dann unser weiteres Handeln. Die Konstruktion der Wirklichkeit geschieht nach Watzlawick als Abfolge von Ereignissen, d.h.man legt (willkürlich aber oft im besten Glauben) auf bestimmte Ereignisse besonderen Wert und betrachtet diese gewissermaßen als Ursache für weitere Ereignisse, die für uns daraus folgen. In einem Kommunikationsablauf ist das Verhalten des einzelnen Gesprächpartners sowohl Reaktion auf das Verhalten des anderen, gleichzeitig aber auch Reiz und Verstärkung für das Verhalten des anderen. Oft ist eine vorangegangene Verhaltensweise Ausgangspunkt für die eigene Art und Weise der Kommunikation. Das bedeutet im Alltag, die „Schuld“ oder Ursache für eine (fehlerhafte) Kommunikation wird beim anderen Partner gesucht.

Störungen können auftreten wenn:

  • Das eigene Verhalten als Rechtfertigung oder Entschuldigung für das Verhalten des anderen gesehen wird
  • Kommunikation unter Druck oder Zwang erfolgt

„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.“

Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken,…) teilen etwas mit. Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, entbehrt aber auf dem Gebiet der Beziehungen einer Semantik. Die analoge Kommunikation verfügt über ein solches semantisches Potenzial auf dem Gebiet der Beziehungen, entbehrt aber einer Syntax, die eine eindeutige Definition der Natur von Beziehungen leisten kann. Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene.

Kommunikation gelingt bei Übereinstimmung zwischen analoger und digitaler Botschaft und wenn die Kommunikationspartner beide Teile der Botschaft in gleicher Weise interpretieren. Besondere Probleme entstehen dadurch, dass beide Ebenen mehrdeutig sein können und vom Kommunikationspartner interpretiert werden müssen. Gefährlich ist hier auch, wenn man sich seiner eigenen analogen Kommunikation nicht bewußt ist.

Störungen können auftreten wenn:

  • Analoge Kommunikation mehrdeutig ist und unterschiedlich entschlüsselt werden kann
  • Wenn nur digitale oder nur analoge Kommunikation überwiegt, bzw. eine der beiden Kommunikationsarten überwiegt
  • Wenn digitale und analoge Kommunikation nicht übereinstimmen

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.“

Beziehungen zwischen Partnern basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit. In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedliche Verhaltensweisen und bestimmen den Interaktionsprozess. Die Beziehungsgrundlage besteht hierbei in der Unterschiedlichkeit der Partner. Häufig drückt sich diese Unterschiedlichkeit in einer Unterordnung aus, d.h. der eine hat die Oberhand über den anderen. Eine symmetrische Beziehungsform zeichnet sich dadurch aus, dass die Partner sich bemühen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren (Streben nach Gleichheit).

Störungen können auftreten wenn:

  • Bei zu starrer Komplementarität evtl. Anhängigkeit, der Verlust der Selbständigkeit oder Fremdbestimmung entstehen
  • Eskalationen auftreten, weil der eine Gesprächspartner etwas gleicher sein will als der andere

Zusammenfassung

Kommunikation ist allgegenwärtig und wir können uns dieser nicht entziehen. Aber gerade aus dem Grund, sollten man seine eigenen Kommunikationsfähigkeiten, insbesondere Tonalität, Körpersprache, Gestik und Mimik beobachten, trainieren und kongruent zum gesprochenen Wort einsetzen.

Ein wichtiger Punkt, den Watzlawick zu wenig berücksichtigt und erst durch Niklas Luhmann vollumfänglich Bedeutung gewinnt: Kommunikation realisiert sich erst beim Empfänger. Dort werden Information/Mitteilung (durch den Empfänger) unterschieden und als Kommunikation realisiert. Die Intentionen des Senders spielen dann eine weniger wichtige Rolle als die Interpretation des Empfangenen durch den Empfänger.

2 Antworten zu Kommunikationsmodelle – Die Aspekte einer Nachricht (Teil 3)

  1. […] waren SCRUM und Modellierung zwei Themen, die sich durch die PM-Blogs zogen. Daneben gab es den dritten Teil des Artikels zu Kommunikationsmodellen von Sandra Mian und einen Bericht mit Tipps zur IPMA-Level D-Zertifizierung auf Projekt Management […]

  2. Kathiza sagt:

    Gut zusammengefasst. Gefällt mir.
    LG,
    ein großer Watzlawick-Bewunderer.

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