Extrapolation vs. Cause & Effect: Warum die Krise in Kürze überwunden sein wird 1/3

News (Icon)Nachdem Genuss von 2 Stunden Eli Goldratt zum Thema Wirtschaftskrise kann man eigentlich wieder nur zu dem Schluss kommen, das die aktuelle Presse zum Thema Krise wenig taugt. Am 17.02.2009 hat er einen interessanten Vortrag an der University of Indiana gehalten und sich dort aus seiner Sicht des Grundproblems der aktuellen Krise angenommen.

Als Kontrapunkt zu Karneval jetzt also eine mehrteilige Zusammenfassung seiner Herleitung der aktuellen Krise und seinen Handlungsempfehlungen und damit einem Einstieg ins Portfoliomanagement.


Eliyahu M. Goldratt ist eigentlich durch seine Theory of Constraints bekannt geworden und berät heute Konzernlenker bei der schnellen und nachhaltigen Weiterentwicklung ihrer Unternehmen. Der Entwurf der ersten Version seines Vertrags ist auf seiner Seite goldrattconsulting.com zu finden. Und jetzt genug der ernsten Vorrede und weiter mit dem populärwissenschaftlichen Teil.

Extrapolation vs. Cause & Effect
Der Kernpunkt seiner Kritik an der Herbeiführung und dem Management der aktuellen Krise ist die Extrapolations-Methode. In fast allen Unternehmen wird aus der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen. Allerdings gibt es Brüche, die so nicht vorher gesagt werden können. Anhand der Cause & Effect-Methode zeigt er auf, wieso die derzeitigen Entlassungswellen und andere Maßnahmen kurzsichtig sind und was eigentlich getan werden muss.

Entlassungen in Japan?
Vor kurzem besuchte ihn die Führungsmannschaft eines japanischen Konzerns, der Elektronikkomponenten herstellt. Sie fragten ihn, wieviele Mitarbeiter sie entlassen sollten. Als Hintergrund sollte man wissen, dass in Japan im Allgemeinen nur dann Mitarbeiter entlassen werden, wenn sonst die Insolvenz unabwendbar ist. Hinzukommt, dass die Geschäftsführung sich bei jedem aus finanziellen Gründen Entlassenen, persönlich in dessen Heim zu entschuldigen hat. Dass der Gesichtsverlust unbedingt vermieden wird, ist selbsterklärend.

Wie kam es dazu?
Letztlich ergab die Analyse von ihm und der Unternehmensführung, dass die Umsätze um die Hälfte eingebrochen waren, weil die Lagerbestände der Retailkunden reduziert wurden. Gleichzeitig wurden aber nicht weniger Elektronikgeräte umgesetzt. Er unterscheidet hier deutlich die kreditfinanzierten Häuser und Autos von einfachen Elektronikgeräten, die meist sofort bezahlt werden.
Während die Presse die Weltrezession erfolgreich herbeiredete, brach der Umsatz mit Elektronikartikeln kaum ein. Es kam lediglich zu einer Verkettung von Lagerbestands-Reduzierungen. So reduzierte auch das genannte Unternehmen seine Aufträge an die eigenen Lieferanten auf einen Bruchteil der sonstigen Auftragssumme. Dabei waren die Reduzierungen auf jeder Stufe der Lieferkette stärke als in der kundennäheren.

Was nun?
Während also das Endkundengeschäft wie gewohnt weiterlief, haben sich die Unternehmen von der Presse ins Boxhorn jagen lassen. Es fragt sich nun, wie lange es dauert, bis die Umsätze der Unternehmen wieder nahe dem üblichen Niveau liegen. Die Konkurrenz entließ 25.000 Mitarbeiter, das Unternehmen selbst stellte sicher, dass die durch die Auftragsreduzierung finanziell angeschlagenen kleinen Zulieferer überleben, so dass das Unternehmen schnell die eigenen Lieferungen wieder hochfahren kann.

Zur Frage, wie lange nun der Weg aus der Rezession dauert, fasse ich die Statements von Eli Goldratt in meinem nächsten Posting zusammen.

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