Inside out: Was ist anders an PRINCE2 – Teil 2

Standardisierung (Icon)Nach den ersten sechs Unterschieden gestern zwischen PRINCE2 und anderen PM-Standards, heute die nächste Runde. Aus dem PRINCE2 Foundation-Seminar habe ich sechs wesentliche Punkte mitgenommen, auf die sich PRINCE2 fokussiert:

  1. Zusammenarbeit mit den Stakeholdern
  2. Commitment auf allen Hierarchieebenen sicherstellen
  3. Management von Erwartungen
  4. Beherrschen der Prozesse
  5. Einbeziehung des Anwenders
  6. Fokus auf die Ziele des Kunden

Gehen wir nun wieder mehr ins Detail:

  1. Trennung von Management und Technik
    Durch PRINCE2 zieht sich eine klare Trennung zwischen dem Management und der Technik. Diese geht sogar so weit, dass es einen Prozess Managen der Produktlieferung gibt, der die Schnittstelle zwischen dem Projektmanagement und der Erstellung von Produkten im Projekt kapselt.

  2. Management by Exception
    Eines meiner Lieblingsthemen. Grundsätzlich richtet man sich auf jeder Ebene nach den von oben vorgegebenen Toleranzen und darf innerhalb dieser frei schalten und walten. Wenn man sie überschreitet oder absehbar ist, dass man sie überschreiten wird, muss man eskalieren. Hierbei ist Eskalieren kein negativ besetzter Begriff, sondern beschreibt eine geplante Anforderung einer Entscheidung von der nächst höheren Ebene.
    In der Praxis bedeutet dies beispielsweise, dass der Projektleiter vom Lenkungsausschuss Toleranzen hinsichtlich Randbedingungen wie Scope, Budget, Zeit, Qualität etc. bekommt. Umgekehrt gibt er Toleranzen weiter an Teammanager und Teammitglieder. Dieses Zusammenspiel von Toleranzen und Eskalationen hat den großen Vorteil, dass nicht alle Gremien regelmäßig zusammensitzen müssen. Beispielsweise wird der Lenkungsausschuss bei Bedarf und am Ende einer Phase einberufen. Dazwischen wird regelmäßig reported.

  3. Produktorientierte Planung
    Diese ist eine der wenigen Methoden, die PRINCE2 vorgibt. Anstatt einen Projektstrukturplan aufgrund der zu erledigenden Arbeit zu erstellen, wird streng nach Produkten strukturiert. Dabei werden sowohl technische, als auch Managementprodukte aufgeführt. Das Ergebnis ist beispielsweise ein Produktstrukturplan.

  4. Voraussetzung für Regierungsaufträge in UK
    In England ist der Einsatz von PRINCE2 Voraussetzung für die Erlangung von Regierungsaufträgen. In Deutschland spielt eher das V-Modell XT eine wichtige Rolle.

  5. Definition einer Nicht-PM-Phase
    Zu jedem nach PRINCE2 gemanagten Projekt gehört eine Initiierungs-Phase, allerdings gehört sie nicht zum Projekt. Vielmehr dient sie der Vorbereitung der notwendigen Managementprodukte, um eine positive Entscheidung des Lenkungsausschusses für das Projekt zu erreichen.

So wie es aussieht, habe ich noch genügend Material für einen dritten Teil. In diesem Sinne bis bald.

One Response to Inside out: Was ist anders an PRINCE2 – Teil 2

  1. Martin Rother sagt:

    Diese Fortsetzung finde ich ebenfalls sehr gut, eine kleine Anmerkung zu 5.:

    PRINCE2 startet vor dem Projekt mit dem Prozess „Vorbereiten eines Projekts“ – das ist noch keine Managementphase sondern nur ein Prozess. In diesem Prozess wird unter anderem geklärt: Umfang und Ausschlüsse, Akzeptanzkriterien für das Endergebnis, erste erkennbare Risiken, der Lösungsansatz für das gewählte Projekt, die PM-Teamstruktur und die Rollendefinitionen, usw.
    Das Projekt wird hier zwar noch nicht geplant aber es gibt einen ersten Überblick der gewünschten Ergebnisse und es wird bereits geklärt, was am Ende dabei rauskommen soll und wer mitmachen wird.

    Dagegen ist die erste echte Managementphase die Initiierungsphase – und die gehört schon zum Projekt. In dieser Phase wird das Projekt geplant, die Rahmenbedingungen geklärt, das Berichtswesen aufgesetzt, usw. Mit typisch englischer Lässigkeit nennt das Handbuch die Initiierungsphase den „offiziellen“ Start des Projekts, obwohl der anschließende Genehmigungsprozess „Projekt freigeben“ heißt. Damit ist dann die Freigabe der Spezialistenarbeiten gemeint.

    Viele Grüße,

    Martin Rother

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