Projektmanagement ist Konfliktmanagement

Soft Skills (Icon, Weiser)Projekte sind typischerweise wesentlich stärker mit Konflikten belastet, als Arbeit in der Linie. Im Projekt kommt es immer wieder zu Konflikten mit den verschiedensten Beteiligten im Projektumfeld. Mit Kunden oder Auftraggebern zu Differenzen bezüglich des Umfangs oder bestimmter Inhalte, mit Linienfürsten über die Verfügbarkeit von Ressourcen, mit Lieferanten oder Teammitgliedern über deren Arbeits- bzw. Zulieferleistung. Konflikte im Projekt kosten wertvolle Zeit und reduzieren häufig die Ergebnisqualität.

Projektmanagement ist daher zu einem gewissen Grad Konfliktmanagement.
Konfliktkompetenz folglich ein Soft Skill der für Projektmanager und Teammitglieder gleichermaßen wichtig ist, Konfliktkompetenz definiert sich als die Bereitschaft und Fähigkeit, Konflikten nicht auszuweichen, sondern erfolgreich mit unterschiedlichen Konflikten umzugehen und Konflikte als Chance zu begreifen Veränderungen und Verbesserungen einzuführen.

Konflikte erkennen

Zunächst einmal bedeutet Konfliktfähigkeit, in der Lage zu sein, einen Konflikt als solchen überhaupt zu erkennen. Bei offen ausgetragenen, den sogenannten heißen Konflikten ist dies einfach. Doch die meisten Konflikte, die kalten Konflikte, werden versteckt ausgetragen und äußern sich in Intrigen, Verzögerungstaktiken, Blockaden oder sogar Sabotagen, anstelle direkter Konfrontation. Gemeinsam ist allen Arten von Konflikten jedoch das hohe Maß an emotionalem Engagement der Beteiligten.

Den Konflikt analysieren

Ein einmal erkannter Konflikt muss zunächst analysiert werden. Was sind die wirklichen Interessen der beteiligten Personen? Besteht tatsächlich ein objektiver Interessenskonflikt, oder beruht der Konflikt auf unterschiedlichen und rein subjektiven Betrachtungsweisen? Die meisten Konflikte sitzen oft tiefer, als das reine Sachproblem erkennen lässt. Typischerweise sind in der Vergangenheit erfolge Streits auf der Sachebene um Ressourcen, d.h. um die Verteilung von Gütern oder um die Verteilung von Status, Macht und Aufgaben in Unternehmen häufige Ursachen für Konflikte. Aktuelle Konflikte sind oftmals Rachebemühungen zur Kompensation früherer Zurechtweisungen, Abweisungen und verlorener Machtkämpfe.

Die Konfliktursache verstehen

Hilfreich für eine Konfliktlösung kann daher die Kenntnis der Vorgeschichte des Konflikts sein. Das Verständnis der Konfliktursache ist auch deshalb von Bedeutung, weil eine Konfliktlösung, die nicht an den Ursachen ansetzt, von den Beteiligten häufig emotional abgelehnt wird, auch wenn sie rational und offiziell der Lösung zustimmen. Die Konfliktlösung mag dann zwar tatsächlich eine Lösung darstellen, allerdings wurde mit dieser Lösung nicht auf die Gefühle der Beteiligten eingegangen und die Beteiligten haben keinerlei Verständnis erfahren. Dieses Verständnis ist jedoch für meisten Menschen sehr wichtig, um nach einem Konflikt und dessen Lösung tatsächlich einen Schlussstrich zu ziehen.

Den Konflikt steuern

Ganz entscheidend ist es, einen Konflikt richtig zu steuern. Weicht eine der beteiligten Seiten dem Konflikt aus, kann das für das Projekt genauso schädlich sein, wie wenn der Konflikt sich hochschaukelt und eskaliert. Die Beteiligten müssen zu einer offenen Kommunikation gebracht werden. Evtl. gelingt dies nicht ohne die Unterstützung durch neutrale Dritte. Bei schwerwiegenden Konflikten kann dies beispielsweise auch ein professioneller Mediator sein.

Den Konflikt lösen

Konfliktkompetenz heißt an dieser Stelle auch Kommunikationskompetenz. Das Wissen um verschiedene Menschentypen und Konfliktstile ist wesentlich bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen. Wollen die Beteiligten nur ihre eigenen Ziele und Belange durchsetzen? Oder sind sie offen für konstruktive Kompromisse, auch wenn sich dann das eigene Interesse nicht hundertprozentig durchsetzen lässt? Lässt sich vielleicht sogar eine Win-Win Lösung finden?

Ganz entscheidend bei der Konfliktlösung ist die Kenntnis von Kommunikationstechniken, welche eine Eskalation von Konflikten verhindern und unterstützen, dass emotional geladenen Konfliktpartner möglichst schnell wieder sachlich werden und konstruktiv auf eine Lösung des jeweiligen Konflikts hinarbeiten. Dabei helfen auch zuvor aufgestellte Konflikt- und Eskalationsregeln.

Konfliktkompetenz lässt sich trainieren

Konflikte erkennen, analysieren, steuern und lösen gehört durchaus zur gehobenen Kunst des Projektmanagements. Auch wenn hier, wie für alle anderen Soft-Skill Themen gilt, dass Bücher oder Kurse ohne die dazugehörige Erfahrung noch nicht wirklich helfen, empfiehlt es sich gerade bei diesem vielschichtigen Thema ein solides Grundwissen über die verschiedenen Techniken und Methoden der Konfliktanalyse und Konfliktlösung über ein Training anzueignen.

Eine Antwort zu Projektmanagement ist Konfliktmanagement

  1. Gute Zusammenfassung. Dieser Satz

    Projektmanagement ist daher zu einem gewissen Grad Konfliktmanagement.

    bringt es auf den Punkt, Projekte sind „Nährboden“ für Konflikte. (Potentielle) Konflikte müssen m.E. wie Risiken – also regelmäßig – behandelt werden. Dabei können die folgenden Leitfragen helfen:

    Handelt es sich wirklich um einen Konflikt?
    Gefährdet der Konflikt den Termin?
    Worauf bezieht sich der Konflikt?
    Was sind meine Anteile im Konflikt?
    Suche mehrere Lösungsmöglichkeiten!

    Bin ich bereit zur Kommuniktation?
    Bin ich mir über meine Ziele im klaren?
    Habe ich mich klar ausgedrückt?
    Wurde ich verstanden?
    Verstehe ich mein Gegenüber?
    Denke ich an die „4 Seiten“?

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