PMBOK 4th edition (PMI) und NCB 3.0/ICB 3.0 (GPM/IPMA) im direkten Vergleich

Standardisierung (Icon)Endlich hab ich den Antrag für meine GPM-Zertifizierung abgeschickt und dabei gleich die National Competency Baseline 3.0 der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) durchgelesen. Sie stellt den Rahmen für die Zertifizierungen der GPM dar und enthält die wichtigsten Richtlinien für die Prüfer. Mit der PMP-Zertifizierung des Project Management Institute (PMI), habe ich bereits das weltweit verbreiteste PM-Zertifikat. Warum nun noch ein weiteres und warum dieses?

  • PMBOK 4th edition
    Mit dem PMBOK Guide und den zugehörigen Zertifizierungen bietet der weltweit größe PM-Fachverband PMI eine Systemzertifizierung an. Das PMBOK PM-„System“ besteht dabei aus

    • Terminologie (Glossar),
    • Prozessen und
    • Methoden

    Der Bereich Soft Skills wird im PMBOK nicht relevant aufgegriffen und fehlt somit. Indirekt werden im dreistündigen multiple-choice-Test für die Zertifizierung Soft Skills abgefragt. Analog wird allgemeine Berufserfahrung durch die Art der Prüfungsfragen aufgegriffen.
    Auf Basis des PMBOK kann man eine PM-Methodik in einer Trägerorganisation einführen, allerdings gibt es darin keine Hinweise für Mitarbeiter-Entwicklungsprogramme. Ergänzend bietet das PMI ein Project Manager Competency Development Framework an, der weniger umfangreich ist als der entsprechende Bereich in der NCB / ICB.

  • NCB 3.0 / ICB 3.0
    Die NCB ist dagegen eine Kompetenzzertifizierung. Mit einem vierstufigen Zertifizierungssystem bietet die GPM die Grundlage für ein Mitarbeiter-Entwicklungsprogramm an. Die Prüfungen sind deutlich teurer, dafür auch erheblich gründlicher und aufwendiger.
    Die NCB bietet drei Teile:

    • PM-technische Kompetenzen
    • PM-Verhaltenskompetenzen
    • PM-Kontextkompetenzen

    Visualisiert werden die drei Bereiche durch das sogenannte eye of competence, dass die die Integration aller PM-Elemente bei der Einschätzung einer bestimmten Situation durch das Auge des Projektmanagers darstellt. Leider konnte ich das PM-ZERT gerade nicht erreichen, um eine Veröffentlichungsgenehmigung für das Diagramm einzuholen.

    Immerhin ein Drittel der NCB widmet sich den Soft Skills, einem der entscheidenen Erfolgsfaktoren für Projekte. Eine solche Ballung von Sozialkompetenz findet sich in keinem anderen Standard. Leider hat die GPM aber keinen eigenen Standard hinsichtlich Terminologie und kein eigenes Prozessmodell. Da die Weiterentwicklung der DIN 69901:2009 fast vollständig durch die GPM getragen wurde, kann man sich zum Teil daran orientieren. Fazit ist, dass man mit der NCB ein hervorragendes Mitarbeiter-Entwicklungsprogramm aufsetzen kann, allerdings allein mit ihr keine PM-Methodik für eine Trägerorganisation einführen sollte.

Das PMBOK gibt es für PMI-Mitglieder, die über einen Windows-Rechner verfügen, kostenlos als Download. Die NCB 3.0 als deutsche Übersetzung der ICB 3.0 ist frei verfügbar, die Links gibt es in meiner Übersicht über Standards.

Für mich persönlich sind Zertifizierungen beider Organisationen wichtig da ich standardübergreifend arbeite. Jede Trägerorganisation muss für sich entscheiden, ob sie primär eine PM-Methodik definieren und einführen, oder ein Mitarbeiter-Entwicklungsprogramm aufsetzen will. Mein Rat für einzelne Projektmanager mit Zertifizierungswunsch ist: prüfen Sie, welche der angebotenen Zertifizierungen für Ihren weiteren Karriereweg häufiger gefordert wird bzw. mehr Vorteile bringt. In beiden Zertifizierungssystemen erhalten Sie einen wichtigen Nachweis über Ihre PM-Fähigkeiten.

One Response to PMBOK 4th edition (PMI) und NCB 3.0/ICB 3.0 (GPM/IPMA) im direkten Vergleich

  1. […] } Bisher habe ich mich immer recht pauschal zu den fehlenden Soft Skills im PMBOK® Guide geäußert, der Kollege Kumar Sarma hat es in PM WORLD TODAY im März gut auf den Punkt gebracht. […]

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