Intranet oder Enterprise Wikis: Vertraue ich meinen Mitarbeitern?

Wiki (Icon)Die aktuelle Diskussion um die Entwicklung eines großen Enterprise Wikis hat mir wieder gezeigt, wie Firmenkulturen und das Wiki-Paradigma kollidieren können. Letztendlich stellte sich wieder einmal die Grundfrage: Vertraue ich meinen Mitarbeitern? Und daraus abgeleitet die Frage ob man darauf vertraut, dass sich die wichtigen Inhalte von selbst in einem Wiki einfinden.

Der klassische Ansatz ist die Schaffung eines Intranets von oben herab. Die Verantwortung wird klar verteilt, die Strukturen sind vorbildlich und Inhalte beschränken sich auf ein Minimum. Nach einigen Jahren Berufserfahrung haben die meisten Leute gelernt, dass es sich selten lohnt, die Extra-Meile für die eigene Firma zu gehen, denn meist wird es nicht honoriert. Deshalb sammelt sich in einem Intranet auch selten mehr Wissen als gefordert wurde.

Umgekehrt wachsen Wikis am ehesten erfolgreich von unten, und nicht durch Verordnung durch das Management. Dabei sammelt sich viel Wissen, da die Autoren den Wiki als ihr Medium betrachten und nicht als Auftrag von oben. Was passiert nun, wenn für das weitere Wachstum Unterstützung durch das Management benötigt wird?

Wenn das Management den eigenen Mitarbeitern vertraut und langfristig denkt, muss es den Wiki als Medium den Mitarbeitern überlassen. Bekannte Fehler (vgl. wikipatterns.com) sind an dieser Stelle

  1. Vollständige Strukturierung des Wikis a priori
  2. Bestimmung von Verantwortlichen für Inhaltsbereiche
  3. Einkauf von Mitarbeitern für die Erstellung von Inhalten

Mit diesen Fehlern wird die Motivation der Mitarbeiter, etwas in den Wiki zu schreiben, reduziert. Das Ergebnis ist, falls der Wiki noch nicht ausreichend etabliert war, ein Wiki in der Verwendung als Content Management System für ein Intranet. An der Stelle sind auch Enterprise Wikis noch nicht ausgereift genug, um an ein gutes CMS heranzukommen. Also bleibt letztendlich die Erkenntnis, das falsche Tool verwendet zu haben oder den kollaborativen Arbeitsstil eliminiert zu haben, je nach Selbstbild des Managements.

Wie kann man nun die hinter den drei Fehlern stehenden Wünsche gemäß dem Wiki-Paradigma umsetzen?

  1. Nachträgliche Strukturierung bestehende Inhalte besser erreichbar zu machen
  2. Bestimmung von Verantwortlichen für eine sehr geringe Anzahl von kritischen Seiten, je weniger desto besser
  3. Erkenntnis, dass ein Inhalt der fehlt auch nicht wirklich wichtig gewesen ist

Die Vorteile von Enterprise Wikis erschließen sich aus meiner Sicht erst durch das langfristige Vertrauen des Managements in die eigenen Mitarbeiter, denn ein Wiki wird von Mitarbeitern für Mitarbeiter betrieben. Deshalb hier mein Appell: Vertrauen, und nicht die eigenen (Management-)ziele mit denen der Mitarbeiter verwechseln. Das benötigte Wissen sammelt sich wenn die Umgebungsbedingungen stimmen.

2 Antworten zu Intranet oder Enterprise Wikis: Vertraue ich meinen Mitarbeitern?

  1. […] aus meiner Sicht zu den Anti-Patterns für den Einsatz von Wikis. Ein Wiki funktioniert dann, wenn man den Mitarbeitern vertraut. Wenn man eine formelle Kontrollinstanz einrichten will, die jeden Artikel prüft, ist man besser […]

  2. Sandra Mian sagt:

    Letztlich ist ein gutes Wiki eine moderne Form der Knowledge Base. Statt wie früher lange, teilweise unlesbare Dokumente in tiefen Verzeichnisstrukturen zu verstecken, kann es einen einfach zugreifbaren Überblick über die wichtigsten Themen mit entsprechenden Verweisen zu weiterführenden Informationen enthalten. Von allen gelebt und genutzt kann es so zu einem wertvollen Hilfsmittel werden, das sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es im Alltag gelebt wird.

    Doch obwohl das Thema Wiki (vor allem Wikipedia) seit einigen Jahren einen sehr guten Ruf genießt, tritt man diesem im eigenen Unternehmensbereich scheinbar immer noch skeptisch gegenüber:
    – Kann ich als Manager meinen Mitarbeitern vertrauen dass die Inhalte zuverlässig, richtig und vollständig sind?
    – Kann ich als Mitarbeiter in dem ganzen Wirrwarr an Verlinkungen (wie es mir auf den ersten Blick erscheint) wirklich schnell an die wichtigsten Informationen herankommen? Welche sind dies überhaupt?

    Ich denke hier hilft nur Geduld, denn der Umgang mit Informationsvielfalt, – darstellung und -zugriff, wie man es eigentlich über dem Medium Internet
    mittlerweile gewohnt sein sollte, ist noch lange nicht so im(Unternehmens)Alltag etabliert, wie man es eigentlich erwarten würde.

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