Ergebnisse der FHS-Studie zum Requirements-Engineering

Die FHS St. Gallen hat vor kurzem die Ergebnisse ihrer jährlichen Umfrage zu Requirements Managements Praktiken als Zusammenfassung veröffentlicht. Das Ziel des Requirements Engineering Barometer ist eine Bestandsaufnahme der Requirements Engineering Praktiken in Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Diesmal haben rund 80 Unternehmen teilgenommen.

Hier die wichtigsten Ergebnisse, einschließlich meiner persönlichen Erfahrungen aus der Einführung von Anforderungsmanagement bei einem großen internationalen Handelskonzern:

  • Nur 25% der Befragten sind mit dem Anforderungsmanagement in ihrem Unternehmen zufrieden,
  • 1/3 der Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter hinsichtlich Anforderungsmanagement aus, 1/3 stellen gezielt Requirements Engineers ein.
  • In 30% der Projekte werden weniger als 1 PT zur Stakeholderauswahl aufgewendet, in 26% werden sie durch den Auftraggeber vorgegeben.
  • In 83% der Fälle von Anforderungsänderungen sind sprachliche Unzulänglichkeiten die Fehlerquelle, gefolgt von den Gründen Widersprüchlichkeit, Redundanz und inhaltliche Fehler.
  • In 77% der Fälle führen Missverständnisse in der Kommunikation zu Änderungen der Anforderungen.

Verbesserungspotential
Die potentialstärksten Kandidaten für eine Verbesserung des Anforderungsmanagements sind nach Ansicht der Befragten eine bessere Aufnahme der funktionale Anforderungen und eine verbesserte Kommunikation mit den Stakeholdern.

Neue Herausforderungen
Komplexere Prozesse und Stakeholder-Beziehungen, bedingt durch Globalisierung, Outsourcing, Offshoring etc., sind die hauptsächliche Quelle neuer Herausforderungen an das Anforderungsmanagement. Weiterhin führen neue Compliance-Vorgaben und das oft nicht präzise geklärte Zusammenspiel verschiedener Methodiken wie CR Management, Configuration Management, Release Management, Risk Management und SW-Entwicklung zu neuen Ansprüchen. Dagegen bieten die vorhandenen Tools oft nur unzureichende Unterstützung bei einer gleichzeitig unübersichtlichten Menge von Features.

Meinung
Im Grunde schließe ich mich der Meinung der Teilnehmer der Studie an. Hinsichtlich Software gehe ich noch einen Schritt weiter. Die derzeit verfügbaren Tools erfordern einen erheblichen Aufwand für eine angemessene Erfassung der Anforderungen. Allerdings ist der damit generierte Mehrwert häufig gering. Die für die Identifikation doppelter Anforderungen nötigen Features sind nicht sonderlich ausgereift und die Unterstützung bei der sprachlich hochwertigen Erfassung von Anforderungen ist marginal.
In meinem derzeit laufenden Projekt habe ich deshalb kein typisches Anforderungsmanagement-Tool gewählt. Stattdessen haben wir uns in der ersten Runde für eine ticketbasierte Plattform entschieden, welche für das Anforderungsmanagement stark erweitert werden soll. Ergänzt wird die Plattformauswahl durch ein UML-Werkzeug, welches die Anforderungsdatenbank visualisiert und Änderungen erlaubt, sowie einen voll integrierten Wiki zur Erstellung von Konzeptdokumenten.

Weitere Informationen
Die vollständige Studie kann unter hier bestellt werden.
Daneben kann ich aus meinem Projekt heraus das Buch Requirements Engineering und -Management: Professionelle, iterative Anforderungsanalyse für die Praxis von Chris Rupp empfehlen. Es lieft einer hervorragende Grundlage für die Definition eines fortgeschrittenen Anforderungsmanagements.

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