Equilibrium: Werftbesuch, 1st Trial und Design

Trimaran (Icon, neu)Nun ist meine Brücke zwischen Beruf und Hobby, Passion sind beide, endlich angekommen. Dem Ziel eines Wettbewerbs-Trimarans im Projektmanagement-Design bin ich damit einen Schritt näher.

Ursprünglich war das ferngesteuerte Modellboot der 2m-Klasse Anfang März bestellt worden, als Lieferdatum war Ende April avisiert. Nicht ungewöhnlich für die Modellbauwelt, trotzdem anstrengend, war das Boot Ende September immer noch nicht fertig.

Für Projekte wäre dieser Zeitverlauf ein Desaster, glücklicherweise war für mich nur der Sommer verpasst. Letztendlich bin ich mit „Übersetzer“ zur Werft gefahren und habe das größtenteils fertiggestellte Boot abgeholt und führe in Deutschland die Restarbeiten in der „Hotelzimmer-Werkstatt“ durch. Derweil ist auch schon der erste Testlauf erfolgreich absolviert worden und Design-Entwürfe eingetroffen. Doch der Reihe nach.

Die Werft
Entworfen wurde der Trimaran von Pierre Ardichvily, einem Mitarbeiter eines großen französischen IT-Konzerns, und Pierre Gonnet. Pierre Ardichvily hatte vor zehn Jahren bereits aufwendige Designberechnungen durchgeführt um das Boot zu optimieren, und dazu das Rechenzentrum der eigenen Firma nutzen können. Leider ist darüber nicht mehr zu erfahren, da er inzwischen verstorben ist.

Pierre Gonnet ist ein seit vielen Jahren erfolgreicher Modellbauer mit eigenem Geschäft in Pierrelatte, in der Nähe von Marseille. Seit 1986 widmet er sich dem RC Segeln und hat bereits an vielen Meisterschaften teilgenommen, z.B. hat er an mehreren Europameisterschaften und an zwei Weltmeisterschaften in der M-Boot-Klasse (1,30m lange Einrumpfboote) teilgenommen.
Seit 1991 begeistert er sich für Multihulls (Katamarane, Trimarane etc.) und hat bereits den französischen Pokal und die Europameisterschaft 2001 gewonnen.
Parallel organisiert er selbst zahlreiche Regatten, ist Vermesser für Modellboote und regelmäßig Jurymitglied und Umpire.

Das Boot
Die Le Poseïdon wurde bereits vor zehn Jahren konzipiert und seit dem in vielen Varianten immer weiter entwickelt. Auf dem Foto rechts ist eine Variante mit Bugrudern zu sehen, d.h. in jedem äußeren Schwimmer befindet sich ein Steuerruder. Üblicherweise wird ein Ruder im mittleren Schwimmer hinten gefahren. Die Herausforderung der Bugruder sind die unterschiedlichen Anstellwinkel der Ruder beim Wenden, da Innen- und Außenkreis unterschiedliche Durchmesser haben. Lt. Pierre wurden die Probleme gelöst, allerdings kein Vorteil erzielt. Das neue Problem war, dass die Rümpfe beim durch die Bugruder verringerten Wendekreis stark bremsten.

Ich bin nun im Besitz von #10 mit einigen Weiterentwicklungen seit den ersten Booten des Typs. Unter anderem besteht das Boot komplett aus Kohlefaser, insbesondere der Baumniederholer und einige Schellen sind aus Kohlefaser, einem an der Stelle eher ungewöhnlichen Material. Weiterhin wurde das Großsegel mit einem Fat-Head ausgestattet um die Segelfläche zu vergrößern.

Einige sehr angenehme Detaillösungen vereinfachen das Handling des Bootes. Beispielsweise sind in den Beams (Querträgern) Kohlefaserstife eingelassen, auf die die äußeren Rümpfe einfach nur aufgesteckt werden. Bei anderen Trimaranen muss man immer noch schrauben, trotzdem die Wanten (Mastverspannungen) dafür sorgen, dass die Rümpfe und die Beams zusammengedrückt werden.

Die Segelfläche der Le Poseïdon stellt für Modellboote große Ansprüche an die Segelwinde. Die gewöhnlichen Winden der großen Modellbauanbieter versagen, sowohl bei Kraftentwicklung, als auch Stromverbrauch. Glücklicherweise gibt es einen kleinen Hersteller in Australien, der u.a. meine RMG 380 fertigt. Das Konzept der Winde ist ein preiswerter Standard-Elektromotor als Basis, dafür mit einer ausgefeilten Elektronik und einem Poti zur Rückmeldung der aktuellen Position. Damit ist die Winde für Modellbauverhältnisse extrem schnell und dazu stromsparend, dafür aber laut.

Für starken Wind steht neben dem großen A-Rigg ein kleineres B-Rigg zur Verfügung. Angeblich soll das Boot bis Windstärke 6 problemlos zu segeln sein. Eine Messung des Bootsgewichts und Trials bei stärkerem Wind stehen allerdings noch aus.

Die Reise
Was macht man, wenn man jede Woche hört, dass das Boot in zwei Wochen fertig sei. Irgendwann ist es Zeit das „Projekt“ abzubrechen. Die Ankündigung zu einem festen Termin am 03.10.2008 das Boot abzuholen hat Wunder gewirkt, es ist „fast“ fertiggeworden. Somit fiel der angedrohte Motivationsbesuch von „La ferme aux crocodiles“ in Pierrelatte glücklicherweise aus.

Die Riggs haben wir aufgrund des begrenzten Platzes im Laden und in der Werkstatt schließlich auf dem Gehweg montiert und fertiggestellt. Die Elektronik und die letzten mechanischen Arbeiten sind dann in der Nacht zum Samstag durchgeführt worden. Ein Probesegeln in Frankreich fiel aufgrund des starken Mistrals (ca. Windstärke 6) aus da das Risiko für ein neues Boot zu hoch war.
So bin ich in 72h ca. 2.800km gefahren und am Sonntag sehr müde wieder in Hamburg angekommen.

Auf jeden Fall soll es in Zukunft nochmal in die Gegend um Pierrelatte gehen, es ist einfach traumhaft schön. Nur hoffentlich muss ich nicht dorthin fahren um das Boot reparieren zu lassen.

1st Trial
Am Montag stand dann der erste Testlauf auf dem Programm. Die Dove Elbe in Hamburg hat auf Höhe der Regattastrecke die Vorteile konstanten Windes, grüner saftiger Wiesen zum Aufbauen der Boote und tiefe Stege zum problemlosen wassern. Lediglich die Bojen der Regattestrecke führten zwischendurch zu Hindernisläufen.
Bei 0,5 – 1 Windstärken nahm die Equilibrium zügig Fahrt auf und reagierte gutmütig auf die Ruderausschläge. Auf einen Schwimmer haben wir es an dem Tag nicht geschafft, dafür konnten wir in Ruhe mit dem Trimmen der Segel beginnen.

Am Ende des Tages war die Liste der Änderungswünsche schon mehr als zwei Dutzend Punkte lang. Einige davon wurden bereits am Folgetag umgesetzt, andere harren noch diverser Lieferungen.

Design
Bunt muss es noch werden! Derzeit sind die Rümpfe dünn mit weißer LKW-Farbe lackiert, allerdings ist der Bezug zum Projektmanagement damit noch nicht wirklich hergestellt. Mein Designer Danny Weiser hat nach der Gestaltung des Blogs und der zukünftigen PJMB-Webseite den Trimaran in Angriff genommen. Ziel ist ein Cross-over zwischen einer dynamischen Illustration und Projektmanagement-Themen. Die ersten Entwürfe sind gestern eingetroffen. Bis die Aufkleber geplottet oder gedruckt sind, muss aber noch einige Arbeit geleistet werden. Dazu werden wir am Wochenende eine Design-Session in Berlin abhalten.

Wie geht es weiter?
Wer das Boot schon immer in Natura sehen wollte, kann dies am 25. und 26.10.2008 auf der Hanseboot in Hamburg auf dem Stand B 5 711 tun. Ich werde beide Tage während der meisten Zeit auf dem Stand sein und würde mich über Ihren Besuch freuen, sei er nun beruflich oder privat. Abends wird der Trimaran möglicherweise auf dem Wasserbecken segeln, allerdings wird dies vor Ort aufgrund der Gegebenheiten entschieden.

Danach geht die Reise „zurück“ nach Frankreich. In Paris findet am ersten November-Wochenende eine Mini 40- und 2m-Trimaran-Regatta statt. Ziel ist die Teilnahme und weitere Trials, weniger einen der vorderen Plätze zu belegen. Das wäre vermessen, da das Boot bis dahin erst einige Stunden gesegelt sein wird und fern von einer vollständigen Trimmung ist.

Ggf. wird das A-Rigg weiter verspannt um die Mastform zu optimieren, Mylar-Segel für Leichwind sind ebenfalls im Gespräch. Doch zunächst soll das Design für die Hanseboot und der Schaumstoff-Ausbau der PKW-Dachbox für Frankreich abgeschlossen werden.

Unterstützung
Mein besonderer Dank geht an Eric Lhoir, Modellbauer und Organisator von Regatten aus Hamburg. Er hat sowohl bei der Kontaktaufnahme mit Pierre geholfen und begleitet das Projekt bis heute mit seinem Fachwissen, seiner Werkstatt und Deutsch-Französisch-Übersetzungen.

Eine Antwort zu Equilibrium: Werftbesuch, 1st Trial und Design

  1. […] für das Bootsdesign. Ein wenig hatte ich darüber in der Vergangenheit geschrieben (Firmenlogo, Idee zum Bootsdesign, Design-Workshop, […]

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