Zum Stand der Standardisierung

Über den Sinn und Unsinn von Projektmanagement-Standards ist schon viel geschrieben worden. Fakt ist, dass im Einzelfall geprüft werden muss, ob eine Zertifizierung nach einem Standard bzw. seine Adaption in einem Unternehmen Sinn macht. Im deutschsprachigen Raum sind derzeit die Standards von GPM/IPMA und PMI führend. Aus England fasst verstärkt PRINCE2 Fuß, nicht nur wegen der IT Infrastructure Library (ITIL) aus der gleichen Quelle. Unterstützt durch die GPM wurde vor einigen Jahren ein Projektmanagement-Standard im Rahmen des DIN geschaffen. Fast alle Standards wurden vor Kurzem bzw. werden in Kürze überarbeitet:

  • DIN 69901:2009 (http://www.din.de)
    Voraussichtlich im Herbst erscheint die neue Norm DIN 69901:2009, erstmalig erweitert um ein Prozessmodell. Sie ersetzt die Norm DIN 69904 aus dem Jahr 2000 und wird erstmalig nicht mehr allein von der GPM vorangetrieben.
  • ISO 21500 (http://iso.org)
    Auf internationaler Ebene gab es bis jetzt keine Projektmanagement-Norm, auch wenn in vielen Ländern Normen existieren. In den USA ist beispielsweise das PMBOK des PMI als ANSI-Standard etabliert. Die übergreifende ISO 21500 wird voraussichtlich 2011 erscheinen und zu einer Überarbeitung nationaler Normen führen und ihre Bedeutung relativieren.
  • GPM/IPMA (http://gpm-ipma.de, http://www.ipma.ch/Documents/ICB_V._3.0.pdf)
    2006 ist die neue IPMA Competency Baseline (ICB 3.0, ) erschienen und wurde ab Januar 2008 zur Grundlage der Zertifizierung für Programm- und Projektmanager bei der IPMA. Die deutsche NCB 3.0 (National Competency Baseline) ist vor wenigen Wochen erschienen und wird ab dem 01.01.2009 die Grundlage der Zertifizierung bei der GPM werden. Sie löst die NCB 2.0 und den früheren PM Kanon ab.
  • PMI (http://pmi.org)
    Das PMI überarbeitet derzeit alle seine Standards auf einen Schlag. Ende 2008 werden

    • PMBOK 4th edition (Project Management Body of Knowledge),
    • The Standard for Programm Management 2nd edition,
    • The Standard for Portfolio Management 2nd edition und
    • Organizational Project Management Maturity Model 2nd edition (OPM3)
      erscheinen. Die Exposure Drafts wurden bereits vor einigen Monaten auf der Webseite pmi.org publiziert.
  • PRINCE2 (http://ogc.gov.uk)
    Die neue Version des britischen Vorgehensmodells PRINCE2 (Projects in Controlled Environment) wird 2009 erscheinen, es dient ebenfalls als Grundlage eines eigenständigen Zertifizierungssystems.

In den nächsten Jahren steht für Trainer und Berater mit theoretischem Schwerpunkt doppelte Arbeit an. Denn neben den alten sollte man auch die neuen Normen kennen und anwenden können.

Einen ausführlichen Artikel über die neue DIN 69901 habe ich mit Steffi Triest in Ausgabe 10/2008 des Projekt Magazins veröffentlicht (vgl. http://projektmagazin.de).

2 Responses to Zum Stand der Standardisierung

  1. Sehr geehrter Herr Jeske,

    zu dem von Ihnen genannten Punkt habe ich keine zusammenfassende Veröffentlichung griffbereit. Ich werde die Frage in der Serie von Blog-Postings zu der Chapter-Präsentation aufgreifen. Das kann allerdings noch 2-3 Wochen dauern, da die Erstellung der Postings relativ aufwendig ist. Am Montag kommt das erste Posting der Serie zur Frage: Sinn und Zweck von PM-Standards.

    Falls Sie selbst recherchieren wollen, können Sie über http://www.projekt-management-beratung.com/index.php?m=wissen&s=wis_standards die NCB 3.0 der GPM herunterladen und durchforsten. Dort müsste sich einiges finden lassen. Den politischen Anteil werde ich in meine nächsten Gespräche mit der GPM mitnehmen.

  2. Hallo Herr Heilwagen,

    in Ihrem Vortrag „Projektmanagementstandards – quo vadis?“ beim Meeting des PMI-Chapter Berlin am 20.11.08 haben Sie die hier beschriebenen Inhalte sehr eingänglich vorgestellt.

    Ich meine ich auch verstanden zu haben, dass die IPMA nun Projektmanagement als generelle Methode für alle Managementbereiche etablieren will. Gibt es hierzu schon Veröffentlichungen? Ist das jetzt ein Verbandsziel?

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